Assistenzarzt - Alltägliches aus dem Ärzteleben
Meine Nachbarn, Deine Nachbarn - eine neue Folge der Blog-Soap
Posted on 4.05.2007 at 11:51 AM - Post Comment
Was bisher geschah: einfach mal ein paar Beiträge zurück anklicken.
Die neue Folge:
Blende zurück:
Vor über einer Woche kamen wir einem Phänomen auf die Spur. Sobald wir das Fenster aufhatten, roch es nach... A-a. Landluft. Puh... Erst dachten wir, das liegt an der Windrichtung, dass sie aus Richtung Wasserversorger-Kläranlage kommt. In seltenen Fällen ist das mal so. Wind war es aber nicht. Danach dachten wir, die Bauern der Umgebung... waren es aber auch nicht. Dann sahen wir, die Neuen unter uns hatten das Fenster auf. Die Neugier erwachte. Kamen A-a und Puh etwa von ganz dicht dran? Das detektivische Gespür lässt jemanden aus dem Fenster lehnen, ganz vorsichtig, aber weit genug, um in das offene Fenster unten drunter zu gucken. Da steht ES. ES ist voll und offen. ES hat vollgepupste Windeln intus und keinen Deckel obendrauf. ES steht mitten in der Vormittagssonne des Ostfensters. ES ist der Dreckige-Windeln-Eimer ohne Deckel... Logisch, da muss man das Fenster aufmachen, um nicht zu ersticken. Eigentlich dachten wir, dass in diesem Zimmer das behinderte Kind schläft. Naja, aber die werden doch nicht, ich meine... das arme Kind. Hoffentlich denken die Nachbarn über uns jetzt nicht, dass der Geruch von uns kommt. Ergo: Das Fenster bleibt zu, wir lüften quer von der anderen Seite.
Zum 1. Mai und den Brückentagen:
Es ist früh um 7.00 Uhr. Ich drehe mich um in meinem Kuschelbett. Friedliches Schlummern. Herrlich wenn man frei hat. Was ist das jetzt? Mein Nervus acusticus registriert Potentiale. Urheber ist direkt unter mir, knapp 3 Jahre alt. Eine laute, helle Kinderstimme singt. Wie niedlich...? Mitnichten. Laut, kreischend, schrill, hell und vor allem falsch. Hier ist er, der künftige Star von DSDS. Text in etwa "Zum GEburtstag ein Lied für dich" mit wechselndem Text, wechselnder Melodie aber eins bleibt konstant: Die Lautstärke. Naja, das reicht eigentlich um sich für DSDS zu qualifizieren. Dazu höre ich eine Kindergitarre. Jenseits jeder melodischen Vorstellung und musikalischen Grundausstattung eines Homo sapiens sapiens klimpert es da unter mir. Seitdem die Wohnung renoviert worden ist, hat die Hellhörigkeit extrem zugenommen. Meinen raren baufachmännischen Kenntnissen zufolge muss irgendwas beim neuen Fußboden und der Dämmung schief gelaufen sein und jemand eine Schicht mit der Wand verbunden haben, was zu einer exzellenten Schallleitung führt. Der Zwerg kann gar nichts dafür. Aber er singt und spielt trotzdem zu falsch und zu laut, um es zu ignorieren und weiterzuschlafen. Will nicht mal Mutti oder Vati kommen um das ganze zu beenden? Nein. Die vergnügen sich gerade zwei Zimmer weiter wie ich höre. Schließlich hat man frei. Ich auch im übrigen. Also erst die kleine Waffe: Ich hämmere mit der Faust gegen die Wand. Zwecklos, nutzlos, zu lautlos. Dann eben mit der großen Waffe. Sie heißt Thomson, hat zwei mittelgroße Boxen und eine Fernbedienung. Radio ein, Lautstärke auf "Kaum noch zu ertragen wenn man taub ist" und Ohren zu halten. Abwarten. Der Lokalfunk dudelt. Mit Fingern in den Ohren kann ich ihn heute sogar ertragen und dämmere fast schon wieder ein - trotz der Schwingungen meines Bettes, meiner Knochen, meiner Problemzonen :-). Ich hab die Bässe hochgezogen... Was soll der Sinn und Zweck der Übung sein? Ganz einfach: Den kleinen Zwergenmusiker unten drunter stören, dass er sein eigenes Gesinge und Geklimper nicht mehr unverfälscht hört und sich woanders hin verzieht. Ich will ihm ja nicht sagen, er soll aufhören, er soll nur WOANDERS spielen und singen. Nein, ich will ihn nicht in seiner Entwicklung stoppen, er soll sich nur nicht gerade unter mir entwickeln während ich schlafen will. Nach 10 Min Radio aus. Ich lausche. Es ist Stille. Kein Geklimper, kein schräges Geburtstagsliedchen. Der Künstler ist ins Exil gegangen. Die weiteren 3 Stunden waren unsagbar ruhig. Wie es sich für einen freien Tag gehört. Ich kann gemein werden, wenn ich beim schlafen gestört werde. Das liegt wohl daran, dass jede Stunde kostbar ist, vor allem wenn man weiß, wie es ist, 24 oder 36 Stunden am Stück zu arbeiten und dann endlich froh ist, frei zu haben und ein paar Tage am Stück ausschlafen zu können.
Der nächste Tag:
Dudeludululududelululu, blipp, blipp, blipp, tschoink, tschoink, tschoink. Wie spät ist es? Wieder 7.00 Uhr. Wieso darf man mit vielleicht 3 Jahren schon Spielkonsole spielen? Und wieso in dem Zimmer, was genau unter mir liegt und wieso macht man den Ton dabei nicht leiser? Und wieso tut man das, wenn ich ausschlafen darf??? Ich bin zu müde und schlafe wieder ein. 2,5 Stunden später. Ich werde wach, weil ich die Stimme der Mutti höre.
"Bist du nicht bald fertig?"
"Nein, ich will zu ende spielen!" kreischt ein helles Kinderstimmchen.
"Ich will jetzt aber gucken." Zickige Frauenstimme.
"Nein, ich bin nicht fertig!" Schwerer kindlicher Protest.
"Na gut mein Freund, das werd ich mir merken!" Superzickige Frauenstimme.
Hä, wieso fängt die an mit ihrem Kind so zu diskutieren? Ich meine, da diskutiert man nicht drüber. Nach fast 3 Stunden Nintendo sollte für so einen Knirps aber mal Schluss sein. Kennt die etwa nicht die Untersuchungen, die zeigen, was mit Kindern passiert, die so früh schon zuviel Fernsehen und Spielkonsole kriegen? Abitur machen die in den seltensten Fällen. Aber was gehts mich an? Nix.
Der Rest geht unter in Gekreische, Gezanke, Streit... später kommt dann auch noch die Vati-Stimme dazu. Der bölkt wie auf dem Kasernenhof. Man, so kann man doch nicht mit Kindern reden. Aber was gehts mich an? Genau: Nix. Aber mit meinen eigenen werd ich später so nicht reden, schwöre ich mir. Und Nintendo gibts auch nicht solange die noch nicht über die Tischplatte gucken können. Versprochen. 
Blende:
Es stinkt zum Himmel. Wieder mal. Aber diesmal haben wir einen neuen "Duft". Es beißt in der Nase. Bestialisch. Ich weiß nicht, was es ist, aber es löst bei mir was aus. Niesreiz und Nasekribbeln. Aha, ich bin also drauf allergisch. Gut, das schränkt die Möglichkeiten etwas ein. Nicht viel, aber etwas. Meine Mutter löst das Rätsel. Es ist der unverkennbare Gestank von Baldrian. Die Quelle ist schnell ausgemacht. Die Neuen unter uns. Das Fenster geht auf, Baldrian raus, unser Fenster ist auf, Baldrian rein. Und als wenn das nicht genug ist, gehen die mit einem Müllbeutel voller Baldrian (?), jedenfalls stinkt es so, durch den Hausflur. Das war vor 4 Tagen. Es stinkt immer noch. Sämtliche Katzen der Umgebung meiden unseren Hauseingang seit dem. Auffallend war, seitdem es von unten so roch, ist das gesunde Kind ruhiger. Füllen die ihre Zwerge mit Baldrian ab, damit die nicht nerven? Man weiß es nicht. Man weiß nur, dass seit einigen Tagen die meisten Hausbewohner mit Tüchern vor dem Gesicht durch den Hausflur laufen. 
yeah
Posted by Krokodil on 8.05.2007 at 05:13 PM - Link
habe ich früher auch immer gemacht, wenn lautes techno-gedöns oder hip hop-geschwafel zu hören war: rein mit der rammstein- oder ähnlichen hard rock oder heavy metal cds und aufgedreht. die frage ist nur, ob es dann auch diejenigen hören, die selber laut mucke anhaben oder ob sich der schall nicht auch weiter nach oben bzw. unten fortpflanzt und dann die nächsten nachbarn gestört werden. egal. hauptsache dit rockt! :-)
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