Assistenzarzt - Alltägliches aus dem Ärzteleben
Patient des Tages / der Nacht
Posted on 17.06.2007 at 11:50 AM - Post Comment
Stelle gerade fest, dass ich mit meiner Arbeitszeit von 70 bis 80 Stunden / Woche kaum noch Zeit für das Blog habe. Wieder mal einen Dienst geschafft. Oder er mich? Wer weiß.
Ich kann mir nicht anders helfen, als dem momentanen Trend mit Sarkasmus und Ironie zu begegnen. Sonst geht man kaputt. Über die Ursachen des Trends kann man im Ärzteblatt und in Beiträgen gut recherchierter Zeitschriften lesen. Es wäre jetzt zu lang.
Ich möchte hier ohne weitere Kommentare 4 Fälle vorstellen und die Blogleser auffordern, den Patienten des Tages zu wählen (bitte mit Begründung). Diese Fälle sind REAL und mir im gerade vergangenen Dienst begegnet.
Fall 1:
Patient, weiblich, Baujahr 1990, stellt sich in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag um 03:15 in der Notaufnahme eines Krankenhauses vor. Sie ist am Freitag mit dem Fahrrad gegen eine Wand gefahren und hat sich den kleinen Zeh gestoßen. Dieser tut ihr seitdem weh. Jetzt habe sie beschlossen, dass das mal angesehen werden muss. Sie ist aus einem 29 km entfernten Ort gekommen, zu Fuß die Rettungswagenauffahrt hochgegangen, trägt enge Schuhe und läuft ohne zu Humpeln in den Behandlungsraum.
Fall 2:
Ein Patient, männlich, Baujahr in den 1960ern, ist Angler. Es regnet am Sonnabend in Strömen. Er möchte Regenwürmer sammeln und beschließt eine überlieferte Methode anzuwenden. Mit 2 Stromkabeln, die an den Enden nicht isoliert sind, und die in die Erde gesteckt werden, versucht er sein Glück. Während des Regens fasst er zeitgleich beide nicht isolierte Enden an, die unter Strom stehen. Der Notarzt bringt ihn in den Schockraum. An beiden Händen sind Strombrandmarken, die das Gewebe bis auf den Knochen weggebrannt bzw. dematerialisiert haben. Bis dato keine Rhythmusstörungen.
Fall 3:
Patient, weiblich, Baujahr auch irgendwo in den 1960ern, Angestellte in der Klinik, wird vom Notarzt bewußtlos / komatös in den Vormittagsstunden in den Schockraum gebracht. Alkoholintoxikation bei einer Feier, Ehemann zuhause auch volltrunken. Die Angestellte ist zuvor mehrfach durch Krankmeldungen aufgefallen, die häufig nach freien Tagen folgten. Laut Kollegen bestand schon seit einiger Zeit der Verdacht auf ein Alkoholproblem. Nach 2 Stunden weiß jeder Diensthabende und jede Schwester über den Fall bescheid. Die Patientin wird einige Stunden später auf Normalstation verlegt und geht gegen Unterschrift auf eigenen Wunsch nach Hause.
Fall 4:
Patient, weiblich, Baujahr 1986, stellt sich gegen 20:00 Uhr vor mit "Herzschmerzen" und Angst vor einem Herzinfarkt. Im Wartezimmer krümmt sie sich auf der Wartebank, jammert laut und heftig, wird daher vorgezogen. Erster Blick offenbart einen schnellen Schritt, keine Luftnot beim Gehen und eine gesunde Gesichtsfarbe. Untersuchung und Befragung ergibt bewegungsabhängigen und atemabhängigen Schmerz seit 3 Tagen bei bekannten Rückenschmerzen seit Wochen. Aufklärung über Ursache der Beschwerden (Verspannungen und Wirbelsäulenblockaden), Empfehlung von Wärme, Schmerztabletten, Physiotherapie und Rückenschule. Beschwerde seitens der Patientin über Lärmpegel in der Notaufnahme und Geräusche von anderen Patienten. Noch während der diensthabende Arzt zwischen eintreffenden Notarztwagen eine Kurzinformation an den Hausarzt schreibt, entfernt sich die Patientin ohne die Zahlung der 10-Euro-Notfall-Gebühr, ohne Arztbrief, ohne Schmerztabletten aus der Notaufnahme und ohne jemanden zu informieren aus der Notaufnahme und geht ihrer Wege.
Unbenannter Kommentar
Posted by Krokodil on 24.06.2007 at 07:16 PM - Link
schwanke ja zwischen eins und vier und entscheide mich für kandidat 1, aufgrund akuter dummheit. von der zeit, von der sie anscheinend zu viel hat, kann sie mir gerne was abgeben.
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