Assistenzarzt - Alltägliches aus dem Ärzteleben
Der ganz normale Wahnsinn
Posted on 13.07.2007 at 08:22 PM - Post Comment
Ich hab nochmal nachgerechnet. Also 25 Wochen sind 125 Arbeitstage. -21 Urlaub - 3 fortbildung - 1 Reformationstag - 3. Oktober müssten so ungefähr 98 Arbeitstage machen. Davon hab ich 10 geschafft. Bleiben 88. Naja, das hört sich doch gar nicht mehr so schlimm an. 88 Arbeitstage sind etwas über 16 Wochen - quasi ein PJ-Tertial. Irgendwie muss das doch zu überstehen sein. Ich kann noch immer nicht sagen, dass meine neue Station mein Herz erwärmt. Ich bin immer noch der Ansicht, wie sie den vorigen Postings entnommen werden kann. Die reinste Chaostruppe. Früher... da war ich auch mal nur mit ner halben oder einen Stunde länger am Tag fertig. Jetzt brauche ich unter 1,5 überhaupt nicht anfangen zu rechnen.
Im Übrigen ist mir aufgefallen, dass mein Dienstabrechnungsbogen gar kein Feld für Überstunden enthält. Muss ich mir was dabei denken?
Jetzt hat man mir vor 4 Tagen die Sonografie verboten. Das ist eine persönliche Befindlichkeitsstörung der Kampfkatze. Sie findet, dass ich diese eine Stunde am Tag auf Station so sehr fehle. Ich hänge jetzt eine Stunde am Tag im Leerlauf, mache Sachen, die ich sonst in Minuten gemacht habe mal so locker ne Viertelstunde, weil ich überall auf Warteschleife stehe zu der Zeit: Keine Kurven verfügbar, keine Laborwerte oder Befunde da. Keine Patienten zum aufklären, weil die alle im Haus unterwegs sind. Nüscht. Die Kampfkatze gestattet mir 1x pro Woche 1 Stunde. Wie gnädig. Früher mussten Sklaven um Almosen flehen.
Mein Kollege - der sich aufgegeben hat wie ich meinte, aber anscheinend genauso durchtrieben ist (Danke du Intrigant, der nur 6 Betten zu betreuen hat, dass du Jammerlappen gejault hast, du kriegst deine Briefe nicht fertig, weil ich einmal am Tag eine Stunde Sonos mache, aber keinem außer mir offenbart hast, dass du meinst, dass du sie jetzt nicht mehr 2 oder 3 Tage vordiktieren kannst, sondern nur noch einen! Ich hoffe, du hast den neuen Dienstplan gesehen. Ich weiß deine Kollegialität wirklich zu schätzen und meine Hippocampus-Funktionen sind noch intakt.).
Jetzt bin ich so wütend, dass ich den Satz nochmal anfangen muss... Der bringt jedenfalls immer Kuchen mit bzw. etwas, dass Kuchen sein soll. Backt seine Freundin. An dieser Stelle tritt mal wieder zutage, dass falsche Freundlichkeit nicht immer zum Wohle der Menschen ist. Seine Freundin kann nämlich nicht backen. Der Boden wird anderswo für Steinkohle gehalten. Man backt auch nicht mit ganzen Früchten. Auch nicht mit halben. Außer es sind Kirschen, Erdbeeren oder etwas in der Größe. Jedenfalls keine Rhabarberstangen. Letztere verwendet man wegen des hohen Blausäureanteils auch nicht mehr nach dem 21. Juni. Tja, und nun sagen Kampfkatze und Spaltzunge immer wie toll der Kuchen ist und schön dass sie gebacken hat und was für ein herrlicher Kuchen. Gibt 3 Erklärungen: 1. Sie backen selbst noch schlechter. 2. Sie kriegen sonst nichts zu essen (könnte durchaus sein). 3. Sie heucheln derartig perfekt, dass der arme Junge das glaubt und zuhause seiner Freundin erzählt und die ist dann so motiviert, dass sie gleich noch einen backt. Und dann muss man sich wieder Steinkohle mit ganzen Früchten reinzwängen, dabei lächeln und sagen "Toll!". Das is ein Kreislauf. Aber von dieser falschen Freundlichkeit hat keiner was. Die es essen müssen nicht, denn sie kriegen immer wieder Steinkohle. Und die Bäckerin auch nicht, wie soll sie jemals erfahren, dass ihr Kuchen eine diplomatische Prüfung ist, wenn niemand so ehrlich ist, und ihr mal sagt: Mach den Boden dicker, stell nicht nur auf Unterhitze und schneid die Früchte vorher klein. Achja, und nimm mal etwas Zucker zum drüberstreuen.
:-)
Posted by Krokodil on 15.07.2007 at 12:41 PM - Link
eigentlich nciht zum lachen, aber total toll geschrieben. *grins*
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