Assistenzarzt - Alltägliches aus dem Ärzteleben
Ergänzung zum vorletzten Posting
Für alle, die vorhaben, zu ähnlichen emotionalen Details des menschlichen Lebens zu posten:
1. Es sehen das grundsätzlich auch die Leute, die schon seit Monaten nicht mehr ins Blog geguckt haben...
2. Gehen diese Leute ausgerechnet dann ins Blog, um mal wieder nur so zu gucken, wenn man sowas gepostet hat.
3. Sollte man sich nicht wundern, wenn jemand plötzlich nicht mehr mit einem spricht.
3a. Es handelt sich mit höchster Wahrscheinlichkeit um einen Mann.
3b. Er hat mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit das Posting gelesen.
3c. Er fühlt sich mit tausendprozentiger Wahrscheinlichkeit angesprochen und bezieht das ganze glatt auf sich.
3d. Er war aber gar nicht gemeint.
Ich habe überlegt, ob ich den Beitrag wieder rausnehme, aber ich finde, ich sollte es als Beispiel "emotionaler Fehltritte in Blogs" stehen lassen.
Allerdings kommen mir persönlich jetzt Fragen. Sind alle Männer so und beziehen sowas gleich auf sich? Wie kommt ein Mann darauf, das ohne zu wissen, ob er überhaupt gemeint war einfach auf sich zu beziehen? Und wieso fragt ein Mann nicht nach? Und warum fühlt sich immer der falsche angesprochen? Hallo da draußen: Kennt sich jemand mit Männern aus und kann mir sowas erklären?
:-)
Ich hab heute angefangen, mal wieder aufzuräumen und auszusortieren, vor allem meine Zeitschriften. Ich liebe ja die Cartoons in der Marburger-Bund-Zeitung... Aber bei einem habe ich mich heute ja total weggeschmissen vor Lachen. *lol*
Bild: Patient im Bett, Ärztin davor stehend, sprechend, mit Blatt in der Hand.
Text: "Ihnen is schon klar,... wenn Sie privat sind, aber keine Chef-Behandlung wollen, gilt das in diesem Haus als Majestätsbeleidigung!" 
Herrlich...
PS: Ich lache nich wegen meinem jetzigen Chef, aber ich hatte da früher mal einen Chef, da traf das voll zu...
Und da war es wieder...
... dieses Gefühl, das ich nicht beschreiben kann. So ein Kribbeln überall, wie ein warmer Regen, der sanft über die Haut läuft. Ich hörte dieses Lied, was ich seit mehreren Jahren nicht gehört habe, das letzte mal wohl irgendwann im Studium, oder noch davor... Als Kind hab ich es geliebt, ohne dass ich die Worte oder den Sinn verstanden hätte. Es war die Melodie, der Sound. Ich hab es rauf und runter gedudelt mit dem Kassettenrekorder. Später, als ich Englisch konnte und älter war, da dachte ich "Man was für ein wahnsinnig romantisches Lied!", auch irgendwo traurig, jedoch nicht ohne Hoffnung. Ich glaube, es war nie in den TopTen und nur irgendwo unter ferner liefen auf dem "Waterloo"-Album von ABBA. Völlig zu unrecht. Aber sie spielen es im Radio alle paar Jahre mal wieder. So wie neulich. Da hab ich es morgens gehört. Und - wie schon gesagt - da war es wieder, dieses Gefühl, das ich nicht beschreiben kann und das ich auch nur bei diesem Lied kenne. Aber es war noch mehr als sonst. Schlagartig wurde mir in dem Moment etwas klar. Es war Liebe. Ich sah sein Bild vor meinem geistigen Auge. Gott verdammte Scheiße, es IST immer noch so. Das ist die Erklärung für alles. Es macht es nicht einfacher, nein einfach nur komplizierter.
ABBA
"Dance (While The Music Still Goes On)"
Oh, my love it makes me sad.
Why did things turn out so bad?
Was it just a dream, everything we did, everything we had?
Baby, give me one more
Dance while the music still goes on
Don't think about tomorrow
Dance and forget our time is gone
Tonight's a night we borrow.
Let's make it a memory, a night of our own
A thing to remember when we're all alone
So dance, it's our way to say goodbye
Yes, all we have to do is
Dance while the music still goes on
This is no time for crying
Dance, don't you hear them play our song
God knows that we've been trying
But we didn't make it 'cause nothing's the same
We just couldn't help it, nobody's to blame
So dance while the music still goes on
And let it be our last goodbye
Yet it seems to make me sad.
Why did things turn out so bad?
Was is just a dream, everything we did, everything we had?
Baby, give me one last
Dance while the music still goes on
Just like the night I met you
Dance and believe me, when you're gone
You know I won't forget you
Our love was a snowbird, it's flying away
You tell me it's over, what more can I say?
So dance while the music still goes on
It's gonna be our last goodbye
Dance while the music still goes on
Don't think about tomorrow
Dance and forget our time is gone
Tonight's a night we borrow.
Let's make it a memory, a night of our own
A thing to remember when we're all alone
So dance while the music still goes on
And let it be our last goodbye
Dance while the music still goes on
This is no time for crying
Dance, don't you hear them play our song
God knows that we've been trying
Dance while the music still goes on
Just like the night I met you
Dance and believe me, when you're gone
You know I won't forget you.
Die Weiten des Amazon(as)-Tieflandes
Wer mal wissen möchte, wie Amazon zusammen mit großen Verlagen (die wahrscheinlich zu einer Holding gehören) die kleinen Verlage versucht gezielt (?) kaputt zu spielen (?), der sollte mal bei GMX vorbeischauen. Die haben einen interessanten Artikel online.
http://portal.gmx.net/de/themen/digitale-welt/internet/aktuell/3898152-Guerilla-Marketing-bei-Amazon,cc=000007148100038981521rZxKH.html
Ich versuchs mal zu erklären:
Kleine Verlage haben wahrscheinlich genauso viele interessante und gute Titel im Angebot wie die großen. Nur leider haben sie einen Nachteil im Kampf ums Überleben: Sie sind klein und haben wenig Möglichkeiten fürs Marketing, wenn man sie mit den großen der Branche vergleicht. Dass sie trotzdem für die großen eine ernstzunehmende Angelegenheit sind, beweist allein die Tatsache, dass sich etliche der kleinen Verlage gegen offensichtlich gezielt geführte Negativ-Kampagnen beim Amazon-Portal wehren müssen. 
Amazon ist nicht allein ein Verkaufsportal - obwohl der Sinn des Verkaufens hinter allem steht, was dieses Portal ausmacht. Amazon hat es geschafft, ein Teil der Meinungsbildung der lesenden Bevölkerung zu werden. Im Multimedialen Zeitalter finde ich persönlich, dass das ziemlich ernst ist. Niemand hat die Möglichkeit, sich alle Bücher im Laden anzusehen. Daher geht der Blick heutzutage ins Internet. Und was findet sich da? Amazon. Diese Verkaufsmaschine hat gezielt Rezensionen gebunkert und hat es geschafft, eine Art "Meinungsbildungsstandard" zu werden. Gute Rezensionen = Buch verkaufen. Schlechte Rezensionen = Untergehen wie die Titanic. Und genau an dieser Stelle hat man (wer auch immer, die großen Verlage, "die Konkurrenz") wohl angefangen, eine neue Geschäftsidee aufzumachen. 
Rezept: Man rede die Konkurrenz mittels gezielt plazierter schlechter Rezensionen kaputt. Dann rezensieren die gleichen Nicknames die anderen Produkte und loben sie in den 7. Himmel. Diese Nicknames produzieren Rezensionen im großen Stil bzw. für diesen Nickname produzieren mehrere Leute im großen Stil Rezensionen (quasi Nickname-Connections). So steigt der Nickname durch die Menge in der Rangliste der Rezensenten. Dann nutze man ein weiteres Amazon - Instrument: die Bewertung der Rezensionen und lobe den Rezensenten in den höchsten Tönen. Achtung: jetzt kommt der User Ahnunglos und sucht nach einem Buch z.B. über alte Schiffe. Er sieht sich die Rezensionen an. Aha. Aber weil er nicht auf jeden reinfallen will, guckt er, welchen Ranglistenplatz die Rezensenten bzw. Nicknames haben. Siehe da, die sind weit oben Also muss das stimmen, was die sagen. Schnapp, da war die Mausefalle zu.  
Ich habe inzwischen selbst als suchender Leser einige dieser Nickname-Negativ-Positiv-Rezensenten gefunden ohne mir groß Mühe zu geben. Sie fallen dadurch auf, dass sie Bücher von den kleinen mies machen und offensichtlich in ihren Rezensionen gegen die Rezensionsrichtlinien verstoßen. Amazon nimmt diese aber trotz Regelverstoß nicht raus, selbst wenn man als User hinmailt und sie drauf aufmerksam macht. Große gängige Werke, wie sie auf den Bestseller-Listen zu finden sind (und sei es nur die waaaaahnsinnig interessante Biografie von Dieter Bohlen...), werden von diesen Leuten bzw. Nickname-Connections hochgelobt und mit 5 Sternen versehen. Für dieses Verhalten gibts von mir 5x Man könnte sie als Fähnchen im Mainstream-Wind ansehen, aber das sind sie nicht.
Fazit:
Es ist wieder das alte Spiel. Selbst wer so clever ist und sich seine Meinung selbst bilden will, kommt nicht umhin, derartige Portale und dergleichen für seine Recherchen zu nutzen. Seine Meinung bildet man sich heutzutage nicht mehr selbst, andere bilden einem die Meinung, die man haben soll - um ein möglichst guter Kunde zu sein. Bloß leider merkt man es oft nicht. Richtig unabhängige oder ausreichend objektiv verfasste Berichte, Rezensionen, Tests etc. findet man kaum noch. Es bleibt einem nur noch, sich selbst von allem zu überzeugen - mit eigenen Augen, Ohren und Verstand - wenn man wirklich seine ganz eigene Meinung bekommen will.
Tja, und was bleibt den kleinen Verlagen übrig? Sich versuchen im Rahmen der "Buchmarkt-Evolution" anzupassen und Überlebenstricks zu erfinden. Ich gebe zu bedenken, dass die Dinosaurier ausgestorben sind und die kleinen Säugetiere überlebt haben. Bisher jedenfalls.
Und weil ich gerne auch mal gucke, was kleine Verlage so machen und auch Bücher von kleinen Verlagen habe, die mir extrem gut gefallen, weil gut geschrieben, starte ich hiermit die Aktion "Ein Herz für kleine Verlage" Guckt euch selbst an, was die machen. Seht in die Bücher rein. Geht auf die Internetseiten der Verlage und Autoren. Aber verlasst euch nicht allein auf das Urteil, was ihr bei irgendwelchen Internetportalen findet. Die Zeiten von Objektivität im Internet sind längst vorbei.
Meine Nachbarn, Deine Nachbarn - Die Blog-Soap
Was bisher geschah:
Vor 9 Tagen:
Er und sie ziehen mit 2 kleinen Kindern endlich ein und feiern laut Ostern, nachdem sie ihre Nachbarn durch eine 3-monatige Löcher-in-die-Wand-bohr-Phase genervt haben. Wer kann es sich leisten, 3 Monate lang umzuziehen? 3 verschiedene Möbelhäuser haben mehrfach geliefert. Man, die müssen Geld haben, sich alles neu einzurichten. Eine Behinderten-Parklücke wird vor dem Haus geschaffen. Wieder einer der knappen Parkplätze weg. Begeisterungsstürme bei den Nachbarn. Ein neuer Madza 5 parkt darin. Man, müssen die Geld haben, soviel neues auf einmal zu kaufen.
Vor 8 Tagen:
Der neue Nachbar fährt im Fahrstuhl mit. Alteingesessene sprechen ihn an, wollen den ersten Kontakt aufnehmen. Ist doch klar, er ist neu und jeder will wissen, warum in der Umzugsphase 6 Frauen ein und aus gingen. Er schweigt und sagt kein Wort. Was für ein Idiot.
Vor 4 Tagen:
Man sieht ein Blumengebinde mit Rosen auf der Motorhaube des neuen Madza 5. Dann in den Vormittagsstunden die Überraschung: Sie versucht im Brautkleid mit Reifrock einzusteigen. Klappt aber nich so einfach. Die Alteingesessenen amüsierts. Bisher hörte man nicht viel von den Neuen außer Lärm. So so, da heiraten die. Ob die sich das auch gut überlegt haben? Abends knirschen die Alteingesessenen mit den Zähnen: Die Hochzeitsfeier findet in der Wohnung statt bis spät in die Nacht. Laute Stimmen, Musik. Es nervt und dabei sind die noch nicht mal so lange hier.
Heute:
Es ist Sonnabend. Was für ein friedlicher sonniger Tag. Die ersten packen ihre Sachen ins Auto und fahren in die Kleingärten, zum Strand, zum Picknick, sonstwohin. Einige schlafen auch noch, weil sie Schlafdefizite aus 24-Stunden-Diensten haben. Gegen 8.30 Uhr dann auf einmal ein Knall. Türen fliegen. Man hört so einiges aus der Wohnung der neuen. "Warum hast du mich denn überhaupt geheiratet?!" "Du hörst mir überhaupt nicht zu!" Sie wird immer lauter, immer höher. Die Gläser in den umliegenden Wohnungen fangen an zu klirren. Die beiden kleinen Kinder in der Wohnung der neuen fangen an zu weinen und vor Angst zu schreien. Seine Baßstimme tönt dazwischen. Ein mordsmäßig lautes Geschreie, Geweine und Getöse. Irgendwann kehrt Ruhe ein. Sie packen ihre Kinder, das eine davon scheint behindert zu sein, ins Auto und fahren weg. Die Reifen quietschen, die Spatzen auf der Wohnstraße nehmen reißaus. Ruhe. Aber wie lange? Das war dann wohl der erste Ehekrach. In Rekordzeit. Eigentlich haben die doch Flitterwochen. Ob die nicht mal wegfahren wollen für sagen wir 2 oder 3 Jahre? Die Alteingesessenen haben heute jedenfalls was zum tratschen an der Briefkastenanlage.
Da darf man schon gespannt sein auf die nächste Folge von Meine Nachbarn, Deine Nachbarn. Der Blog-Soap. *Jingle "willst du sie nicht geschenkt? Du kriegst sie auch umsonst. Düdelülü" Jingle zuende*
Frohe Ostern
Allen Lesern ein frohes Osterfest, einen fleißigen Osterhasen und ein paar schöne freie Tage - sofern ihr nicht auch arbeiten müsst.
Möge das Osterei mit Euch sein :-)
Karfreitag und Osterwasser
Japp, ich hatte die Ehre an Karfreitag Dienst zu schieben.
Von der Patientenzahl für einen Feiertag doch schon reichlich: 38. 
Ich hatte so mit der normalen Zahl für ein ehemals normales Wochenende gerechnet: 20. Aber seit 2 Monaten war das nicht mehr so. Irgendwas hat sich geändert, wir haben Unmengen von Patienten.
Viele ambulante. Ungefähr die Hälfte ist stationär geblieben. Wir hatten diesmal sogar Zeit zum Abendbrot essen. Das muss ich mir rot im Kalender eintragen. Von der Pflegebesatzung her echt klasse. Die bösartigste Schwester war weit weg und nur die netten Schwestern und Pfleger da. Der Rettungsdienst auch entspannt und nett. Die Notärzte ebenso. 
Nur eins traf wieder ein: eine Ärztin aus Berlin die bei uns in der Stadt KV-Notdienst fährt, war wieder da. Langsam habe ich das Gefühl, die fährt immer nur, wenn wir Aufnahmedienst haben und ausgerechnet dann, wenn ich auch Dienst habe! Das ist eine Strafe. Da steht dann sowas wie "Bitte um Elyte-Kontrolle" oder "Bitte Röntgenbild" auf dem Einweisungsschein. Eh, wir sind eine Notaufnahme für lebensbedrohliche Krankheitsbilder und keine Serviceeinrichtung für die kassenärztliche Vereinigung. Alles, was die uns so zuweist, blockiert die Kapazitäten -materiell und personell - für die Patienten mit schweren Erkrankungen. Ich habe wirklich alle, die sie uns so geschickt hat, wegen einfacher Sachen wieder nach Hause schicken können. Arbeitsbeschaffungsmassnahme. So sanieren wir unser Gesundheitssystem nie. Es ist auch erstaunlich, dass der Rettungsdienst dann immer sagt: "Wir sehen uns später, das wird ein anstrengender Abend werden, weil sie jeden, aber wirklich jeden einweist und niemanden zuhause behandelt und dort lässt". Das kann doch nicht Sinn und Zweck eines kassenärztlichen Notdienstes sein. Ich habe diese Ärztin noch nie gesehen. Nur ihre Einweisungsscheine. Ich habe "nur" Geschichten gehört. Die eine erzählte gestern ein Fahrer des RTW. Er hatte sie zum ersten mal kennengelernt am Karfreitag. Er meinte, sie hat was unheimliches, dass sich einem die Nackenhaare aufstellen. Und sie hat eine Plastikhand. Als er sie fragte, ob er nicht den iv-Zugang legen sollte, meinte sie wohl, nö, das kann sie mit der anderen. Und passieren könnte ja nix, sie kann sich ja nicht stechen. Dann nahm sie die Flexüle und rammte sie ein paar mal in die Plastehand und lachte. Boah, wenn ich sowas höre, denke ich an Filme aus meiner Kinderzeit, wo es um Hexen ging und Zauberinnen, die mir unheimlich Angst machten. 
Im Durchschnitt hatte fast jeder zweite Osterwasser konsumiert. Je später der abend oder die nacht, desto höher der prozentuale Anteil dieser Patienten.
Blutdruckkrisen waren auch etliche dabei. Streß zu den Feiertagen. Is wohl anstrengend, seine Sippschaft zu ertragen. 
Krönung war ein 19jähriger. Kam mit Notarzt. Völlig weg war der. Hat nicht mal auf heftiges Kneifen reagiert, der war komatös kann man sagen. Hat aber im Fast-Koma immer noch gekotzt bzw. gewürgt. Das war aber auch das einzige was er tat. Die anderen Reflexe und Reizantworten waren komplett erloschen. Warum? Der hatte auf einer Gartenparty gesoffen. Alkoholvergiftung. 2,1 Promille hatte er nachher. Nicht so viel wie andere, aber das reicht aus, wenn man 19 ist, um auf die Intensivstation zu müssen. Es fehlte nicht viel und sie hätten ihn beatmen müssen. Keine Ahnung, ob die Jugendlichen da noch anderes Zeug in sich gefüllt hatten. Die anderen sollen überhaupt nicht angetrunken gewirkt haben, erzählte der Notdienst, man konnte sie für nüchtern halten. Die waren wohl vernünftiger. Ja, aber dieser 19jährige... ich weiß nicht, es ist doch total peinlich, so daneben zu sein, sich in einer Gartenlaube fast nackt auszuziehen, dann zu kotzen obwohl man komplett weggetreten ist, sich vollzupinkeln... noch peinlicher wirds, weil die anderen Jugendlichen die Eltern angerufen hatten, dass ihr Sohn gerade vom Notarzt mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht wird... der Mutter wars extrem peinlich am Telefon. Unser Pfleger sagte auch noch "naja, der hat sich ganz schön die Kante gegeben und ist so besoffen, dass er auf die Intensivstation muss. Nö, Sie brauchen nicht kommen, der macht momentan sowieso nicht die Augen auf." Unser Oberarzt schlug vor, bei solchen Leuten mal das ganze zu filmen und denen das hinterher aus pädagogischen Gründen zu zeigen, wie sie halbnackt auf der Trage des Rettungsdienstes alles vollkotzen und dann beim Umlagern alles vollpullern und nichtmal wach werden, wenn ihnen der Anästhesist in die Innenseite des Oberarmes kneift, dass es schon fast blau wird. Der Junge hatte später das Vergnügen, direkt neben einem schwerkranken alkoholabhängigen Leberkranken aufzuwachen. Ich hoffe, dass ihm das zu denken gibt. Unser Oberarzt und der ITS-Doc haben eigentlich recht, wenn sie sagen, man müsste diesen Leuten alles in Rechnung stellen, weil die sich mutwillig und fahrlässig in so einen Zustand bringen und uns die letzten ITS-Betten blockieren - und andere deswegen vielleicht nicht auf ITS können und dann siehts für die anderen mies aus. Was stünde auf der Rechnung drauf... mal überlegen. So ca 600 Euro für Notarzt plus Rettungswagen. Schockraum-Einsatz mit 3 Ärzten, 4 Schwestern, Notfall-Labor mitten in der Nacht, MTA aus dem Labor, ITS-Bett für mindestens 12 bis 24 Stunden, dann Normalstation für nochmal 12 Stunden... Ich schätze mal so an die 3000 bis 4000 Euro, vielleicht auch mehr? Und das alles für ne Flasche Wodka aus dem Discounter. Ja, liebe Leute, das zahlt ihr alles mit euren Krankenkassenbeiträgen...
Wer denkt, das war der einzige 19 jährige mit zuviel Osterwasser, der irrt. Da kam noch ein 17 jähriger mit 1,2 Promille, der vom Balkon springen wollte. Eine 19jährige, die nach angeblich nur einem Glas Wodka-Sprite ohne jede Abwehrreaktion nach vorne gekippt war und der Länge nach hingeschlagen. Ein Fall für die Traumatologen und leider für die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen: Die vorderen Zähne hatten alle was abbekommen und standen windschief. Außerdem ein ca 60 jähriger, der "nur zwei Gläser Bier" vier Stunden vorher getrunken haben wollte und rein rechnerisch nur 0,4 Promille hätte haben dürfen, aber über 1 hatte... er war in der Garage umgefallen und auch ein Fall für die Traumatologen. Dann war da noch der 33 jährige mit 2,6 Promille, der dabei aber schon voll im Entzug war! Mit 2,6 Promille... das heißt, der braucht einen Spiegel mit mindestens 3,2 oder mehr... und dann erzählt er mir noch was von weißen Pülverchen und Tüten... man, sowas kann ich leiden im Dienst... Polytoxikomanie. Und dann waren da noch... viele viele viele andere...
Naja, alles in allem ging es trotzdem. Aber das Fazit bleibt: Ohne den Alkohol hätten wir die Hälfte zu tun. Vom Prinzip sichert er unsere Arbeitsplätze... so makaber das klingt...
Unsere Patienten werden heute alle einen Schokoosterhasen bekommen. Ok, es ist schöner zuhause zu feiern, aber immerhin wurden solche Aufmerksamkeiten noch nicht wegen der Sparsamkeit gestrichen.
Ich habe meinen Schwestern in der Aufnahme, auf Station und meinen Kollegen kleine Schoko-Osterhasen geschenkt, das heißt, unsere PJlerin wird es heute finden, wenn sie Spritzendienst hat. Ich hoffe, sie freut sich. Die Schwestern haben sich gestern schon gefreut.
Fragen dieser Welt
Was macht ein Oberarzt, wenn er kein eigenes Büro hat?
Wieso sind Schwestern die ganze Woche bevor der neue Oberarzt kommt unausstehlich, gereizt, prämenstruell, aggressiv, patzig, schnoddrig und keifend? Wieso sind die gleichen Schwestern am ersten Tag des neuen Oberarztes herzallerliebst, freundlich, höflich und ungewöhnlich zahm? Ausgerutscht bin ich fast auf der Spur des Schleims.
Wie erklärt man einem neuen Oberarzt wie das System funktioniert und dass es funktioniert hat auch ohne Oberarzt und ohne dass man dabei in einen riesigen Fettnapf latscht?
Was macht man mit einer depressiven Sekretärin?
Was macht man mit einer schwangeren PJlerin, der es bei uns gut ging und die jetzt in einer anderen Klinik arbeiten muss (weil Tertial-Wechsel war) und die jetzt vorzeitige Wehen bekommen hat, weil man ihr da so einen Stress macht?
Ist es so schlimm als PJlerin schon drei Kinder zu haben und mit dem 4. schwanger zu sein?
Ist das nicht eigentlich was wunderschönes so viele glückliche gesunde Kinder zu haben?
Wieso gibt es Leute, die das überhaupt abartig finden? Und warum treffen sich ausgerechnet diese Leute alle in der Gyn? Ist das nicht absurd?
Und wieso haben ausgerechnet die Gyns fast alle keine Kinder? Gerade die sollten doch wissen, wie es funktioniert? :-)
Warum klingelt und klopft und hämmert ein fremder Mann an unsere Wohnungstür und fragt unsere Nachbarn nach uns aus? Und warum tut er das ausgerechnet immer dann, wenn wir zwei Frauen alleine sind?
Warum sind die Gebühren für die Fachgesellschaften alle gestiegen? Ich krieg doch die gleichen Leistungen wie vorher und nicht mehr.
Warum wollen alle immer Recht haben? Und warum sehen manche es nicht ein, dass sie falsch liegen?
Warum ist das Leben eigentlich so seltsam und voller Fragen? Warum sind Menschen gemein zu andern? Warum ignorant? Warum intolerant? Warum können wir uns das Leben nicht gegenseitig alle netter, schöner, höflicher, respektvoller und fairer gestalten?
Rosa
Was hab ich vorhin im Internet gelesen... die Stadt Bern streicht jetzt in den Parkhäusern die Frauenparkplätze rosa an und verziert sie mit Blümchen. Man weiß sich dort nicht anders zu helfen, die Männer (also nur die faulen, ignoranten, chauvinistischen Säcke in dieser Hälfte der Bevölkerung) davon abzuhalten, auf den sicheren, kinderfreundlichen und kameraüberwachten Parkplätzen in den Parkhäusern zu parken. Rechtlich kann man nicht dagegen vorgehen. Aber die Berner haben die Idee, dass diese Exemplare der wundersamen Spezies Mann es dann abstoßend finden, sich mit ihrer tiefergelegten 911er Potenzprothese auf so einen rosaroten blümchenverzierten Frauenparkplatz zu stellen.
Frauenparkplätze finde ich gut, nicht nur weil sie extra groß und breit sind. Ich gebs ja zu, ich bin nicht perfekt im Einparken. Aber wenn man die Größe und Breite von VIP-Parkplätzen im Vergleich betrachtet, sind die genauso wie Frauenparkplätze. Was ich aber wirklich gut finde: Man fühlt sich sicherer, weil man nicht so weite STrecken durch dunkle Bereiche laufen muss alleine und weil diese Parkplätze so angelegt sind, dass Kinder weniger gefährdet sind.
Ich glaube allerdings nicht, dass es einen SLK-Fahrer (nur exemplarisch genannt!) und Frauenhasser davon abhält, sich gerade dann extra draufzustellen. Es gibt halt immer Typen, die haben ein Problem und einen unbewältigten Mutter- Sohn- Konflikt, den sie ihr Leben lang mit sich herumtragen.
Wenn man davon ausgeht, dass Man-watching genauso funktioniert wie Dog-watching dann müsste man - um diese Chauvies und Machos davon abzuhalten auf Frauenparkplätzen zu parken - das Mittel der positiven Verstärkung einsetzen, um erwünschtes Verhalten zu erzeugen. Also schlage ich vor, dass neben dem rosa anmalen der Frauenparkplätze auch Männerparkplätze eingerichtet werden. Die sind extra schmal (nur wer die Herausforderung sucht ist ein echter Kerl), haben Blick auf eine Videoleinwand mit Dauerprogramm Fußball (WM, EM, Champions League etc.) und eine Klappe an der Wand, die sich automatisch öffnet und einen Kühlschrank mit Bier und allem, was Cholesterin hat, freigibt. Zusätzlich räkelt sich beim Zurückkommen des Besitzers eine Blondine im Pamela-Andersen-Gedächtnis-Look auf der Motorhaube und lobt den Macho überschwenglich für sein Parken im richtigen Bereich und betont dabei seine Männlichkeit und Stärke.
Für die nächste Stufe des Man-watchings böte sich das Pawlowsche Macho-Training an. Jedes Mal, wenn ein Parkwüstling-Macho im richtigen Bereich geparkt hat und seine positive Verstärkung erhält, dann bimmelt ein Glöckchen. Dann lässt man die Belohnung irgendwann weg und bimmelt nur mit dem Glöckchen. Wenn Machos tatsächlich so intelligent sind wie Hunde, dann müssten sie beim ertönen des Glöckchens auch im richtigen Bereich parken. 
Ich weiß ja nicht, wieviele kleine und große Machos und Chauvies ich jetzt gegen mich aufgebracht habe, aber liebe Machos: Bleibt cool, Mutti wird euch trösten, wenn so böse gehässige Frauen so schlimme Dinge sagen.
Das Fundstück der Woche
Das stille Örtchen... still? Nicht wenn man es wissenschaftlich betrachtet. Das hat jemand aus der Ruhr-Uni Bochum getan. In einer Magisterarbeit. Das Klo und seine filmische Darstellung. Es gibt nichts, worüber man nicht forschen kann. Aber das war mal ein originelles Thema. Find ich gut.
Für alle, die mal wissen wollen, was das Klo im Kino so alles darstellt, der sollte mal die Homepage des Autors dieser Magisterarbeit besuchen.
www.daskloimkino.de
Was haben alle diese Dinge gemeinsam?
- die Einführung eines 3. Diensthabenden für Aufnahmetage mit der spontanen Entscheidung, ob man an dem Tag wirklich eingesetzt wird oder nicht
- Überstunden, um alles auf Station abzuarbeiten während sich der Stationsarzt und der neue Kollege ne Stunde vorher verziehen, um Kinderfahrräder zu reparieren
- Kollegen, die sich vordrängeln, um mir meine Zeiten am Sonogerät zu klauen
- die Tatsache, dass Knusperflocken letzte Woche im Edeka 79 ct kosteten
- das chronische Gefühl immer müde zu sein
- die Frage ob Herpes simplex Viren tatsächlich eine Hepatitis auslösen können
- Rückenschmerzen, die diesmal hartnäckig sind und nicht von alleine aufhören wollen
- die Frage, an welcher Stelle der Abrechnung ich meine Überstunden nicht eintrage
- Nachbarn, die einziehen und im Fahrstuhl nicht mal mi oder maff sagen auf die Frage, ob sie denn diejenigen seien, die in die leere Wohnung einziehen, die immer tagsüber da sind und in Wände Löcher bohren und das schon seit 3 Monaten - wer kann es sich leisten, so lange umzuziehen? Freigänger aus dem Knast? Ne andere Variante ist mir nicht eingefallen. Ich sollte umziehen.
- Die ersten Sonnenstrahlen und Temperaturen über 10 Grad
- die Erkenntnis: Wer viel arbeitet hat nicht viel Zeit Geld auszugeben außer in der Kantine mit völlig überteuertem Essen (trotz Subvention) in der geschmacksneutralen Sparversion zu 2,90 Euro.
Um die Frage zu beantworten: Nichts.
Außer der Tatsache, dass sie alle Teil meines Lebens sind.
Das Fenster gegenüber
Gegenüber gibt es ein Fenster. Jedes mal wenn ich dorthin sehe, kann ich erkennen, dass dort ein Großbild-Flachbildschirm-Fernseher läuft. Ein riesiges Teil. Ich wohne 50 m weg, aber ich kann es noch erkennen. Naja, dass sich da was bewegt auf dem Bildschirm und wenn Personen drauf zu sehen sind. Egal wann ich in der Küche bin und aus dem Fenster sehe, der Fernseher dort läuft immer. Morgens, nachmittags, abends, nachts. Ich habe schon so viele Tage hinübergesehen, jedes mal läuft der Bildschirm. Jetzt frage ich mich WARUM? Ist da jemand, der alleine ist und einsam und nur seinen Fernseher hat? Sind da Kinder, die viel zu viel in die Flimmerkiste schauen? Vorhin habe ich mir das Fernglas genommen, ich wollte endlich wissen, was der oder die da drüben guckt. N24. Ist da jemand, der immerzu auf dem aktuellen Stand sein will? Ich habe auch schon gedacht... also wenn der Fernseher seit Tagen da durchläuft, vielleicht ist derjenige, der da sitzt, schon längst... tot? Gibt ja immer wieder so merkwürdige Geschichten...
Warum guckt jemand die ganze Zeit Fernsehen?
Entwicklungen
1995: Ich will Arzt werden. Ich studiere Medizin.
1997: Ok, ich bewerbe mich um einen Studienplatz. Ich will Arzt werden. Medizin ist toll.
1997: Boah, ist das aufregend. Faszinierend. Student sein ist so schön.
1998: Ich weiß nicht, ob ich wußte, was ich tat. Gut, dass ich nicht wußte, wieviele und wie harte Prüfungen es gibt. Und wieviele davon noch kommen werden.
1999: Nach dem Physikum soll alles einfacher und schöner werden. Halte durch. Irgendwie wirds gehen.
1999: Es stimmt, es wird einfacher und wesentlich spannender. Gut, dass ich durchgehalten habe.
2000: Cool, nächstes Semester kommen die echten Klinik-Kurse. Ich hasse MC-Fragen, aber es hilft nix wenn man das Stex will. Bald gibts die richtige Medizin.
2001: Famulaturen, echte Patienten. Oh man, die armen Ärzte. Aber es wird alles besser, es wird ein neues Arbeitszeitgesetz geben und es soll sich was tun. Es ist alles interessant, es gibt so viel was man lernen kann und so nette Leute, die einem das zeigen. Ich will immer noch Arzt werden. Es gibt soviel in der Medizin, was spannend ist. Publikationen und Wissenschaftliches Arbeiten lässt einem am Puls der Zeit sein. Ich glaub, ich will später mal an der Uni arbeiten.
2002: Ich habe MC-Fragen schon immer gehasst. Augen zu und durch. Du willst Arzt werden, in der Klinik arbeiten, Menschen helfen, spannende Fälle sehen und irgendwie ist das alles interessant. Bald komm ich ins PJ und dann mach ich richtige Medizin. Dann bin ich fast Arzt.
2003: Hmmm... PJler sind auch nur Arbeitskräfte, denen keiner dankt dafür, dass sie für 0 Euro arbeiten und das sogar am Wochenende. Aber man will ja eine Stelle und wir haben ein Ziel: Arzt sein.
2003: Hurra, endlich fertig. Jetzt werde ich Arzt sein, ein richtiger echter Arzt. Ich kanns kaum glauben. 6 Jahre liegen hinter mir. Voller Entbehrungen, harter Prüfungen, Freude und Tränen, spannende Menschen, schöne Stunden mit meinen Kommilitonen. Schade, dass das Studium vorbei ist. Ich habe es geliebt. Es war die beste Zeit meines Lebens!
2003: Hmmm...irgendwie will keiner Anfänger einstellen.
2004: Es ist ungünstig, wenn man das kleinste Tierchen in der Hierarchie ist. Oh man, 24-h-Dienste, die nie nach 24 Stunden enden. Wie kann man in diesem Job älter als 30 werden? Ich weiß jetzt was Ellenbogenmentalität ist und wie sie sich anfühlt.
2004: Gott, verdammt, wo soll ich das Geld für diese ganzen Weiterbildungen hernehmen? Als AIP verdien ich weniger als unsere Putzfrauen.
2004: Wieso bezahle ich eigentlich die Weiterbildungen, wenn doch die Klinik der eigentliche Nutznießer ist und mich nichtmal freistellt dafür sondern mich Urlaub nehmen lässt?
2004: Menschen sind hinterhältig, gemein, fordernd, unrealistisch, uneinsichtig, behandeln einen wie Dreck, wie einen Fußabtreter und egal wie höflich du bist, sie beschimpfen dich trotzdem, weil sie krank sind und du schuld daran bist, dass sie nicht aufhören zu Rauchen, fett zu essen, ihre Tabletten nicht nehmen.
2004: Schwestern genießen es, Anfängern mal zu zeigen, wer der eigentliche Boss auf der Station ist.
2004: Überstunden dürfen nicht dokumentiert werden, weil wir damit gegen das Gesetz verstoßen und der Verstoß aktenkundig wird.
2005: Man, es gibt noch nette Abteilungen, wo es weniger Ellenbogen gibt, wo einem Kollegen nicht die Akten wegnehmen mit denen man zum Chef soll, wo sie nicht tuscheln oder anderweitige merkwürdige Spielchen abziehen. Ob ich an der Uni bleiben kann? Ich würd so gern.
2005: Die Facharztausbildung wird niemand in der regulären Zeit schaffen, weil man nicht rotieren darf in andere Abteilungen.
2005: Darf es eigentlich Arbeitsverträge geben, die nur 3 Monate lang sind?
2005: Ich komm nicht mehr hinterher mit zählen. 4 Arbeitsverträge in einem Jahr.
2005: wir haben uns an die Dienste gewöhnt. Allmählich begreifen wir: es ist wider jeden Biorhythmus, macht auf Dauer krank und lässt einen vorzeitig altern. Es gibt Kollegen die waren zum Examen dunkelhaarig. Nach 3 Jahren haben sie graue Strähnen im George Clooney-Look, wiegen 10 kg weniger, schlucken Säureblocker und machen sich Sorgen, weil ihre Kinder in der letzten Zeit schlechtere Schulnoten kriegen und sich weigern, Papi am Wochenende oder abends in der Klinik zu besuchen, um sich mit Mutti einen Gute-Nacht-Kuss abzuholen.
2005: Good bye Uni, niemand gibt mir einen Job, weil ich keinen kenne, der einen kennt, nicht mit dem Prof ins Bett steige wie eine andere Kollegin, nicht verwandt bin mit großen Firmeninhabern oder Profs, nicht rumschleime wie einige Leute. Was nützen meine superguten Zeugnisse und die Überstunden, der Wille zu arbeiten, wenn es nicht das ist, was zählt? Ich wäre gern geblieben, ich wollte immer gerne forschen und mit Patienten arbeiten.
2006: Ein neuer Anfang. Vom Regen in die tiefste Flut. "Wir sind hier nicht an der Uni!" - tausende male dröhnt der Satz in mein Ohr. "Wir sind ein wirtschaftlich geführtes Haus!" - millionenmal hallt es durch die Flure, in mein Arztzimmer, in meinen Schädel. Zum Glück gibt es Kollegen, die aus finanziellen Gründen mehr Dienste wollen und mir welche abnehmen. Der Arzt ist nur ein Wegwerf-Objekt. Hat man einen verbraucht, holt man sich einen neuen Assi. Mein Maximum auf dem Dienstplan: Di, Do, Sa, Mo Dienst. Nach dem 3. War ich fertig mit der Welt. Den 4. nahm jemand anderes ab. Wo waren die anderen Assistenten? Auf Weiterbildung, Urlaub, krank, schwanger. Krank und schwanger sein heißt Glück - keine mörderischen Dienste mit 0 Stunden Schlaf.
2006: Ein Kollege schläft nach dem Dienst im Auto auf dem Parkplatz ein. Der Pförtner weckt ihn. Man gut, dass er noch nicht losgefahren war.
2006: Ich höre Geschichten der lokalen Entwicklung der letzten 20 Jahre. In diesem Krankenhaus wo ich zum Zeitpunkt tätig bin haben sich in den letzten 5 - 8 Jahren 3 Kollegen und 2 Schwestern das Leben genommen. 2 sind ausgestiegen, einer macht noch eine Langzeit-Psychotherapie. Knocking on heavens door?
2006: Trauriger Blick zurück auf meine Uni-Zeit. Eigentlich wollte ich mal habilitieren. Forschen. Studien machen. Es war alles so spannend, so faszinierend. Was nützte es, sich zu engagieren? Nichts. Am Ende haben so viele einen Tritt in den Hi... gekriegt. Die besten wurden vergrault, sind fort, in Rente, im Ausland, niedergelassen. Die guten Ärzte gehen, was kommt sind die Kinder von Golfpartnern, Studienfreunden,... Aber sie können nicht mal ordentlich mit Patienten reden. Warum lasst ihr sie alle gehen? Es sind so gute Ärzte, denen ich als Patient vertrauen würde und das heißt was, ich bin kritisch. Von den anderen würde ich mir nicht mal Blut abnehmen lassen.
2006: Die Demos sollen was ändern. Ernüchterung beim lesen des Tarifvertrags. Ihr habt uns alle in die Pfanne gehauen. Durch dieses Schriftstück legalisiert ihr die 24 Stunden -Dienste weiter. Was haben wir gewonnen: nichts. Was haben wir verloren: den letzten Respekt der Gegenseite. Niemand wird sich trauen, die Opt-outs nicht zu unterschreiben, denn jeder ist ersetzbar. Und nach einem Jahr darf die Vergütungsregelung wieder gekündigt werden.
2006: Es gibt Krankenhäuser, die nicht nach Tarif zahlen und jedem sagen, wer Tarif will, der soll gehen. Die gleichen Krankenhäuser haben Arbeitsvermittler für teuer Geld bezahlt, um polnische Ärzte anzulocken. Diese sagen jedoch sämtlichst ab: Woanders sind die Arbeitszeiten besser und das Gehalt nicht auf dem Stand von 2001.
2006: Es gibt Fügungen des Schicksals, die man nicht erwartet und wo sich plötzlich Perspektiven auftun. Es geht weiter, auch wenns nicht zurück an die Uni geht. Ein Traum ist endgültig zuende.
2006: Ein neuer Anfang. Vieles wird besser. Die Dienste und Überstunden bleiben. Die Bezahlung wird für alle offiziell besser. Ein Trost? Unterm Strich bleibt fast das gleiche wie früher. Alles beim alten.
2007: Ich stelle fest: Unsere Stationshilfe verdient mehr als ich. (siehe Blogeintrag)
2007: Drei Jahre geschafft. Ob das wohl damals eine gute Idee war, diesen Job zu machen? Hätte ich was anderes werden sollen? Zweifel. Zweifel, die ich früher nie hatte. Zweifel am Job, am Sinn des Berufes im Allgemeinen, an den Perspektiven. Gibt es Möglichkeiten der persönlichen Selbstverwirklichung auch wenn man Arzt ist? Macht es überhaupt Sinn, was ich jeden Tag tue?
2007: Der Hamster im Laufrad. Sie kommen alle wieder. Hausärzte brechen unsere begonnene Therapie ab weil sie ihnen zu teuer wird. Patienten kommen wieder. Die Erkenntnis, dass Angehörige uns als Aufbewahrungsanstalt verstehen, um demente oder pflegebedürftige Eltern oder Großeltern abzugeben. Aggressionen, wenn der Entlassungstermin ran ist und die "Urlaubszeit" zu kurz war. Noch mehr Aggressionen wenn Hilfe angeboten wird. Nein, das Pflegegeld wollen sie selbst haben und nichts abgeben für den Pflegedienst. Oma als Einkommensquelle. Was ist in dieser Gesellschaft eigentlich los?
2007: Das mit den Diensten wird nie enden. Nie. Und es wird auch nie aufhören, dass man sich als Assistenzarzt immer wieder zusammenstauchen lassen muss. Die Ärzte und Oberärzte, die fair waren und andere Einstellungen hatten dazu sind weg, in Rente, niedergelassen, im Ausland. Sie gehen alle. Was bleibt?
2007: Ich höre, dass eine Ärztin, die mit einem Kollegen aus der Uni verheiratet ist, mit dem ich immer zusammengearbeitet habe, an Krebs erkrankt ist und in unserer Klinik liegt. Sie ist 10 Jahre älter als ich, hat zwei kleine Kinder. Sie hat immer volle Power gearbeitet, war immer da, hat sich reingekniet. Genau wie er. Jetzt bricht ihre Welt zusammen. Ob sie sich fragen, ob sie ihr Leben hätten anders leben sollen? Weniger Arbeit, mehr Zeit für die Kinder, den Partner? Das Leben ist kostbar, aber wir haben so wenig davon, weil wir das meiste von uns der Klinik geben, uns aufreiben, bis an den Rand der körperlichen Erschöpfung (oder darüber), Dienste schieben, Kongresse, Weiterbildungen, das Familienleben danach planen. Ist es das wert? Setzen wir die Prioritäten falsch? Ist unser Familienleben und unsere Gesundheit weniger wert als das von jemand anderem? Wissen die, für die wir das aufgeben und die, die uns dazu drängen, überhaupt zu schätzen, was wir tun? Sollten wir uns selbst so wenig wert sein?
2007: Die Menschen werden immer aggressiver, fordernder, kritischer und unhöflicher Ärzten gegenüber. Dankbarkeit wird weniger. Der Arzt als Servicedienstleister. Gesundheit als Gut, dass man wie im Supermarkt kaufen kann. Wo wird das hinführen?
Ein Dienst - die Fakten
Anwesenheitszeit: 27 Stunden
Pausenzeiten insgesamt: Frühstück 15 min, Mittag 10 min
Schlafzeit: 2 Stunden
Arbeitszeit (aktive Tätigkeiten am Patienten oder für Patienten): 24,5 Stunden
längste Zeit ohne Nahrungs- oder Flüssigkeitszufuhr: 13:00-03:00 = 14 Stunden aktiver Arbeitszeit
Schlafzeit meines Kollegen: 8 Stunden
längste Zeit ohne Nahrungs- oder Flüssigkeitszufuhr meines Kollegen: 8 Stunden als er geschlafen hat
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In der Notaufnahme vorstellig gewordene Patienten von 07:00-07:00: 48-50
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Von den Patienten ab Übernahme der Notaufnahme durch die 2 Dienstärzte um 15:00 von mir aufgenommene Patienten: 60-75%
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Konsile durch mich: 3
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Konsile durch meinen Kollegen: 3
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Aggressive, gewaltätige Patienten: 1
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Alkoholisierte Patienten: 2 (die anderen fanden wohl den Weg nicht mehr)
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durch mich beruhigte und kooperativ gemachte ("Talk down") gewaltätige Patienten: 1
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dadurch vermiedene Polizeieinsätze: 1
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Patienten, die sich weigerten, sich vor meinem Kollegen auszuziehen und von ihm untersuchen zu lassen: 2 (letztes mal nur 1)
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VIP-Patienten: 1
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Privatpatienten: 0
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Dauerkatheteranlage durch mich: 1
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Blutkonserven durch mich in der Dienstzeit gekreuzt: 2
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Flexülen (iv-Zugang) durch mich, weil die Schwestern kein Glück hatten: ...10?
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nach mir und dem übrigen Personal schlagende demente Patienten: 3 oder 4
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Maximale Wartezeit der Patienten: 8 Stunden (aufgrund des extrem hohen Patientenansturms - doppelt soviel wie sonst - mit Stau von Labor bis Röntgen; bis zur endgültigen Entscheidung der stationären Aufnahme oder Entlassung)
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Bösartige Schwestern, die resignierten und sich sogar die Bösartigkeit verkniffen: 1
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Lustige Pfleger, die die Stimmung verbesserten: 3
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Zusammenstauchen durch den Oberarzt um 1:00 nachts und mündliches Bescheinigen meiner fachlichen Inkompetenz: 1x
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sich von Kollegen anderer Häuser anmaulen oder aggressiv anmachen lassen müssen: 0 (vorigen Dienst 2x)
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weinende Patientinnen: 1 (alles wird gut)
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Patienten, die wegen Bettenmangel in andere Abteilungen gingen bzw. mit Untersuchungszimmern vorlieb nehmen mussten: 5 (alle kriegen heute ein normales Bett)
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richtig kritische Situationen: 1
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kritische Situationen in anderen Abteilungen wo wir dazugerufen wurden: 2
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Patienten, die vom Hausarzt mit Einweisungsschein geschickt werden zur stationären Aufnahme, aber eigentlich "nur mal zum Blutabnehmen weils schneller geht sagt der Doktor" kommen und das System unnötig blockieren: etliche
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Einweisungsscheine mit Vermerken wie "bitte Röntgenbild" oder "bitte Elyte und Entzündungswerte kontrollieren": zuviele
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Patienten, die zum KV-Notdienst hätten gehen können, weil sie kein potentiell lebensbedrohliches Krankheitsbild haben (für die eigentlich so eine Notaufnahme - ein Emergency Room - gedacht ist): 25%
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Patienten, die mir gleich sagten "ich bleib aber nicht hier": 5 (wieso kommt man denn in die Notaufnahme eines Krankenhauses?)
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Erkenntnis, dass irgendwas am ganzen System und Selbstverständnis nicht stimmt: ca alle 30 Minuten
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Zeit, in der die Notaufnahme nach Exkrementen roch: gesamt 4-5 Stunden
In meiner Notaufnahmezeit ab 15:00 behandelte Krankheitsbilder
rektale Blutungen: 5
V.a. obere gastrointestinale Blutung: 2
V.a. feststeckende Nahrung in der Speiseröhre: 1
Pneumonien (Lungenentzündung): >5
potentiell bedrohliche Herzrhythmusstörungen: 1
Überdosierung mit Blutgerinnungshemmern: 1
Blutdruckentgleisungen: 3
Asthmaanfälle mit Status asthmaticus: 2
Synkopen und Kreislaufdysregulationen: 4 oder 5
Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung): 1
Influenza und prärenales Nierenversagen: 1
Intercostalneuralgien: 2
Infarkausschlüsse: diverse
andere Krankheitsbilder: ... keine Ahnung, dutzende
Fazit:
1. Alle die überlegen, Medizin zu studieren: Überlegt euch das nochmal.
2. Es muss sich was ändern, mit 2 Leuten kann man das nicht schaffen und es geht schon seit 3 Wochen so mit der doppelten Zahl des Durchschnitts.
3. Manche Hausärzte können einen in den Wahnsinn treiben, weil sie gedankenlos Einweisungsscheine ausstellen oder die Notaufnahme wie eine Schnellkasse im Supermarkt ansehen, wo man in 3 Stunden Labor und Röntgen kriegt und es nicht über das eigene Budget abgerechnet wird.
4. Wieviele Leute mit potentiell lebensbedrohlichen Krankheiten müssen in Deutschland unnötig lange warten, weil solche vermeidbaren Zuweisungen Kapazitäten blockieren?
5. Das Gesundheitssystem baut darauf, dass wir uns bewußt über unsere körperlichen und psychischen Grenzen hinwegsetzen mit der Gewissheit, in 10 oder 20 Jahren Folgeschäden zu haben, für die dann wahrscheinlich niemand mehr aufkommen wird. Sind wir eigentlich noch etwas wert? Warum kriegen wir keine Unterstützung aus der Bevölkerung wenn wir dafür kämpfen, diese Situation zu ändern?
6. Warum will man im Gesundheitssystem abbauen? Wir arbeiten mehr als maximal, noch mehr können wir nicht mehr kompensieren. Ändert was, damit wir kein Entwicklungsland der Medizin werden!
7. Wer möchte sich von mir behandeln lassen, wenn ich oder ein anderer Arzt so wie heute morgen mit zugeschwollenen Augen, kratziger Stimme und verlangsamtem Reaktionsvermögen, müde und kaputt durch eine Klinik irgendwo in Deutschland laufe?
Gut tut...
... sich mal eben ein T-Shirt bei globetrotter zu bestellen. Es stimmt wirklich, dass wir Frauen beim Shoppen entspannen.
Ich weiß nicht, was ich zu diesem Tag sagen soll, außer dass mein Horoskop recht hatte: Heute sucht man Streit mit Ihnen, gehen Sie dem aus dem Weg. Wie kann man Montags so schlechte Laune haben? Ich finde, manche Schwestern sollten mal Phytopharmaka ausprobieren, in manchen hormonellen Dysbalancen soll das für die Umwelt ganz gut sein. Inzwischen brauchen wir keinen Kalender mehr, wir richten uns nach den Stimmungsschwankungen unserer "ich-kriege-kein-lächeln-zustande-weil-ich-immer-böse-gucke-Schwester". Sie hat schon Falten, so wie sie immer böse guckt und die gehen auch bei den seltenen Momenten des Lächelns nicht mehr weg. Nicht mal wenn so schön die Sonne scheint wie heute.
Einzelteile - oder Wer hat das Stethoskop zerlegt?
Ich betrete das zweite Arztzimmer der Station. Meine Kollegin und mein Kollege in lebhafter Diskussion. Ich sehe ein Stethoskop auf dem Tisch liegen. Korrigiere: Die Einzelteile eines Stethoskops liegen auf dem Tisch.
Gedankengang: Warum eigentlich?
Ich frage: "Wer hat denn sein Stethoskop auseinandergebaut?"
Meine Kollegin: "Das war XY. Achso, du hast die Geschichte noch nicht gehört."
Ich: "Nein."
Meine Kollegin (grinst): "Also XY war auf Toilette..."
Gedankengang: Kann es sein, dass das Stethoskop dort einen Unfall hatte?
Ich: Zeige mit dem Zeigefinger auf die Teile und im Bogen auf den Fußboden, dabei einen fragenden Blick sendend.
Meine Kollegin (lacht): "Ja, es ist ihm ins Klo gefallen. Aber wie, das weiß ich auch nicht."
Gedankengang: Iiiiiiiiiiiiiiihhhh... schüttel, fröstel, ekel. Ins Klo! Der Arme! Ich (spontan herausplatzend): "Äh, das is aber Scheiße."
Mein Kollege trocken darauf: "Genau, ich würde sagen, du hast es erfasst."
Gedankengang: Häää, was meint er? Achso, ich sagte Sch... äh, Klo. Oh. Der Groschen fällt.
Meine Kollegin: "Er hat es auseinandergebaut." Zeigt auf einen ca 50 cm hohen Berg zerknüllter Papiertücher. "Er hat alles desinfiziert." Sie schüttelt sich und lacht gleichzeitig.
Mein Kollege: "Er hat keinen Tropfen Desinfektionsmittel aus der Flasche übrig gelassen. Ach und die Papiertücher sind auch alle. Er muss besoffen gewesen sein nach soviel Alkohol einatmen."
Ich: "Hmmm, das is ja echt blöd, auch wenns lustig ist irgendwie. Aber ich glaub, er hat das Stethoskop bestimmt um den Hals gehabt und sich vorgebeugt." (Typische Falle!!!)
Mein Kollege: "Du kennst dich aus!!!"
Ich: "Naja, bisher hatte ich Glück, es war immer der Fußboden in der Notaufnahme."
Mein Kollege: "Also ich kenn das ja von zuhause. Meinen Kindern fällt auch ab und an Spielzeug ins Klo, die nehmen das ja überall mit hin. Und dann heißt es immer Paaaapiiiiiii, komm mal!"
Ich: "Ja, und weil du Endoskopie kannst, tauchst du in dunkle Räume ab..."
Mein Kollege lacht: "Ja, aber ich habe echt immer Angst, dass ich mal mit der Hand stecken bleibe. Und was dann? Dann kommt nachher die Feuerwehr und der Rettungsdienst und die kennen mich inzwischen alle - solange wie ich hier arbeite und unten in der Aufnahme Dienst schiebe. Dann heißt es nachher, aha, der Doktor mit der Hand im Klo. Peinlich..."
Irgendwo in Deutschland, eine Stunde nach Feierabend.
"Sollen wir Deutsche die Erde alleine retten?"
Ja, liebe Bild-Zeitung! Das wärs doch noch. Denn wir sind Deutschland. Äh, DU bist Deutschland. Und "wir sind Papst". Logo, dann sollte das ja gar kein Problem sein. Wenn wir Papst sind, dann sprechen wir als Vize mal so eben mit dem Chef und dann sollte das doch alles geregelt sein, oder?
Da fuhr ich heute so unschuldig mit der Straßenbahn... Mir gegenüber saß etwas dunkel gefärbtes, top geschminktes, modisch gestyltes und offenbarte den geistigen Horizont als sie die Tasche öffnete und - genau - die Bild-Zeitung rausholte. Mein Fahrlehrer sagte früher immer "Der typische Deutsche: Blond, blauäugig, blöd und Bildleser." Er hatte auch blonde Haare, blaue Augen... Aber er hatte nie die Bild dabei. Dann erblickte ich zwischen rosa lackierten Fingernägeln die gelben Lettern mit der ach so heldenhaften Schlagzeile. Ich wußte nicht, ob ich lachen sollte oder lieber nicht. Man hätte es ja falsch verstehen können. Kann es sein, dass bei Bild jemand größenwahnsinnig geworden ist?
Wo ist Superman? Hat jemand mal was von Spiderman gehört? Und wo zur Hölle ist James Bond? Wo sind die alle, wenn man sie braucht? Muss man alles alleine machen? Sollen wir Deutsche die Erde alleine retten? - Ich glaube so in etwa müssen die bei der Bild-Zeitung gestern abend gedacht haben, als sie die Schlagzeile für heute aus dem Kaffeesatz lasen. Wie mag die Titelzeile morgen heißen? Bild rettet die Welt. Bild rettet das Weltklima. Deutschland und Bild retten die Erde. Super-Angie und Bild retten die Welt. Deutsche Öko-Helden retten die Welt. Deutschlands Öko-Angie rettet blauen Planeten vor dem Ende. Andere Vorschläge?
Die nächste Frage, die sich stellt: WIE rettet Bild die Welt vor der Klima-Katastrophe?
Ich hab da mal ein paar Vorschläge.
1. Bild gibts ab jetzt nicht mehr auf Papier. Dadurch bleiben täglich tausende Bäume am Leben - Co2-Speicher werden erhalten-, es wird weniger Chemie in die Umwelt abgegeben, keine Energie verbraucht zum Drucken, Papier produzieren etc. Außerdem sparen wir den Transport (für Bäume, Chemikalien, die Arbeiter der Fabriken, die Zeitungen) - keine Abgase, kein CO2.
2. Bild-Redakteure werden ab jetzt zur Öko-Polizei. In fremder Leute Angelegenheiten schnüffeln konnten sie ja schon immer gut. Jetzt schicken wir sie los, die Fabriken finden, die sich nicht an die Vorschriften halten, im Ausland nach Kinderarbeit, Chemie in Flüssen und CO2-Großproduzenten suchen.
3. Die restlichen Bild-Redakteure tun mal so, als wenn sie was von ernsthaftem investigativem Journalismus verstehen und publizieren mal die Zahlen der USA, China, Indien und Brasilien, was die so an CO2-Schleudern stehen haben und schreiben gleich dazu welche deutschen Firmen (die ja als Deutsche die Welt auch mit alleine retten) die Anlagen geliefert haben oder sie dort billig abgekippt haben, um nicht noch Entsorgungskosten zahlen zu müssen.
4. Bild-online schreibt mal darüber, dass die Amis und George keinen Bock haben, irgendwelche internationalen Verträge und Linien zu akzeptieren oder sich umweltbewußt zu verhalten. Sie zahlen seit Jahren keine UN-Beiträge, akzeptieren Rüstungsabkommen nicht, produzieren weiter verbotene Waffen, finden es toll, wenn im Essen mehr künstliche Bestandteile zu finden sind als natürliche Proteine und Kohlenhydrate, haben die größten Dreckschleudern in ihren Fabriken und finden es toll, wenn ein Auto "nur" 15 liter / 100 km frisst, ...
5. Bild-Redakteure kriegen jetzt Öko-Latschen mit denen sie zu vollbiologischen Toiletten gehen können, um ihren Gedankenmüll das Klo runterzuspülen... es is mir sowas von egal, ob Britney eine Entziehungskur macht oder nicht und ob das Foto von Anna Nicole Smith die "echte tote" A.N.S. zeigt oder nicht. Im übrigen ist die Venenfüllung auf dem Bild zu gut und der Muskeltonus der mimischen Muskulatur scheint etwas hoch.
6. Der Bild-Zentrale wird der Strom abgestellt, damit ein Kraftwerk weniger CO2-Emissionen abgeben muss.
Ja, wir retten jetzt die Erde. Ganz allein. Also mit Bild zusammen natürlich.
Und morgen möchte ich in der Bild-Zeitung lesen "Nur die Ossis können uns vor Fluten retten" Genau. Ham we ja nu schon oft genuch gezeicht.
Wie man Energie spart
Aus der heutigen Ausgabe der OZ, Wochenendbeilage:
"Schnecken, die auf der Schleimspur ihrer Artgenossen kriechen, kommen besser voran. Denn für die Schleimproduktion verbrauchen die Tiere einen Großteil ihrer Fortbewegungsenergie."
"Bei einer frischen Schlitterschicht erzeuge die nachfolgende Schnecke nur etwa ein Viertel des Schleims der Vorgängerin (...)"
Schnecken sind also auch nur Menschen.
Mein Dank gilt Mark Davies von der Universität Sunderland in Großbritannien, der sich der Gemeinen Strandschnecke widmete und ihr Schleimverhalten untersuchte, desweiteren dpa und OZ für die Meldung und dem Journal "Proceedings B" der British Royal Society für die Publikation des Papers der Forschergruppe.
Du hast recht
Ja. Einfach nur "ja".
Ich sollte mich endlich hinsetzen und es fertig schreiben. So kurz vor dem Ziel aufhören wäre als würde man einen Marathon laufen und dann 500 m vor dem Ziel sagen "Ok, ist eigentlich gar nicht meine Sportart, ich geh dann mal nach Hause".
Damals... Es gab mal eine Zeit, da hatte ich ein festes Ziel vor Augen. Ich hatte mich drauf gefreut, dass du bei der Verteidigung dabei sein würdest, wie du es gesagt hattest. Wirst du jetzt nicht mehr. Ich weiß es. Das macht das Ziel weniger attraktiv. Bei mir läuft das manchmal eben nicht nach Verstand sondern nach Sekundäreffekten, die für mich attraktiver erscheinen als die Primäreffekte. Der Verlust der Sekundäreffekte fiel in eine Zeit, wo es zäh voran ging. Die Primäreffekte erschienen bald auch nicht mehr erstrebenswert. Die Aussicht auf beides fehlte auf einmal. Die Motivation sackte schneller als der Börsenkurs diese Woche. Im Gegensatz zum Börsenkurs hat sie sich aber nicht gefangen.
Tja, und nun? Erkenne ich, dass ich mich hinsetzen sollte und es fertig schreiben. Erkennen. Das ist das eine. Aber es ist so zäh, wie eine Dissertation nur sein kann, wenn man sie jeden Tag auf dem Schreibtisch liegen sieht, sie aber nicht von alleine fertig wird. Mit müden Augen und müdem Geist sieht sie auch nicht schöner aus.
Ich wünschte, ich hätte es fertig. Ich wünschte, die Motivation wäre wieder da wie früher. Ich finde es langsam unangenehm, eine der wenigen ohne Dr-Titel zu sein in der Klinik. Es war für mich nie relevant. Menschen werden nicht bessere Menschen nur mit dem Titel davor. Aber so allmählich, wo einer nach dem anderen verteidigt, erkenne ich, dass man anscheinend doch mehr ist im System, wenn man die Buchstaben vor dem Namen hat. Vielleicht ist man nicht mehr, man wird nur für mehr gehalten. Es ist mir nicht egal, doch ich kann nicht sagen, dass es meine Motivation fördert.
Sich Motivation selbst schaffen. Fällt schwer, ich bin zu desillusioniert. Über den Job, das System, die Spielregeln, das Leben.
Du hast recht. Ich sollte sehen, dass ich die Kurve kriege. Frage mich nur wie.
Ich würde dich ja bitten, mir neue Sekundäreffekte zu liefern, einen Deal, eine Wette, ein Versprechen, einen Köder, what ever. Irgendwas, was mich anstachelt, so wie damals. Ich hatte Spaß daran, Wetten zu gewinnen, es hat mich herausgefordert. Aber die Zeiten sind vorbei. Es geht einfach nicht mehr. Tja, scheint mir zu fehlen, wie's aussieht.
Trotz allem: Du hast recht.
Die Kaffeetasse
Kann mir jemand weiterhelfen? Ich suche eine Tasse mit meinem Namen drauf. Noch vor einigen Monaten / Jahren war das kein Problem. Diddl und diverse andere Hersteller hatten Namenstassen in rauen Mengen. Und jetzt? Ich habe diverse Einkaufszentren durch, das Internet... nichts passendes zu finden. Es gibt kaum noch Tassen mit lustigen Motiven. Vereinzelt in der Geschenkeabteilung. Aber da muss man nach suchen und da steht dann nur "liebster Papi der Welt" drauf. Wobei... eigentlich hätte ich das jemandem mitbringen sollen. Ich kenn da einen, der ist heißer Anwärter auf den Titel.
Naja, Duftkerzen mit meinem Namen hätte ich haben können. Ich kenne schönere Foltermethoden als diesen bestialischen Gestank.
Warum ich auf den Dreh komme, eine Tasse mit meinem Namen haben zu wollen? Bei sovielen Leuten im Arztzimmer ist es schon öfter vorgekommen, dass jemand aus meiner Tasse getrunken hat. Das behagt mir aber nicht, finde ich nicht schön, selbst wenn der andere keinen Lippenherpes hat. Wenn mein Name draufsteht ist klar: Gehört mir, darf nur eine Person draus trinken. Fertisch. Logisch. Praktisch. Und wehe, es wagt sich trotzdem jemand. Vor einigen Jahren gab es mal groß in der Presse eine Studie über das Phänomen der Bürotassen. Etwas Heiliges an einem Ort wie dem Büro, was nur dem Besitzer zusteht.
Aber nu find mal nen Stand mit Namenstassen...
Diddl ist von Gebrauchsgegenständen mit knuddel-knutsch-Motiven zu einer reinen Sammelobjekte-Geldverdien-Maschine geworden und auf google suche kommt auch nichts vernünftiges.
Wo krieg ich so eine Tasse her?
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