| Gesetz der Keuschheit |
Psychologische Argumente für die KeuschheitDie Heiligen der Letzten Tage wissen, daß sich der Herr zu diesem Thema klar geäußert hat. Voreheliche sexuelle Beziehungen sind "ein Greuel in d.en Augen des Herrn (Alma 39:5)", und wer tugendhaft bleibt, dessen Vertrauen wird in der Gegenwart Gottes stark werden (Siehe LuB 121:45).
Der Herr gibt uns Gebote, die uns sagen, was wir tun und was wir nicht tun sollen, weil er weiß, was uns glücklich macht. Spencer W. Kimball hat darauf hingewiesen, daß Gott kein zorniger und grausamer Gott ist, rachsüchtig, weil wir uns seinem Gesetz nicht unterordnen. „Es ist undenkbar, daß Gott den Wunsch hat, seine Kinder zu bestrafen oder sie Leid und Qual erdulden zu sehen .. . (Aber) was der Mensch auch versucht — nie kann er den Folgen der Sünde entrinnen ... Die Strafe für die Sünde kommt manchmal erst spät, aber daß sie irgendwann einmal Wirklichkeit wird, ist absolut sicher(Das Wunder der Vergebung, S. 154, 155.).” Gott hat nicht im einzelnen all die psychologischen Gründe aufgezählt, weshalb wir uns bis zur Ehe von sexuellen Beziehungen fernhalten sollen. Aber ich kann euch jungen Leuten versichern, daß die Erfahrungen, die ich in meinem Beruf bei der Beratung von Studenten und auf dem Gebiet der Psychologie sammele, immer wieder bestätigen, wie weise es ist, vor der Ehe keusch zu bleiben. Erst einmal befriedigt das sexuelle Erlebnis nicht bloß ein körperliches Bedürfnis. Es ist auf komplizierte Weise mit unserer gesamten Persönlichkeit verbunden. Die Propheten lehren uns, daß uns die Gabe der Fortpflanzung erheben und heiligen kann, wenn wir sie richtig gebrauchen. Mißbrauchen wir jedoch das sexuelle Erlebnis, so verletzt es unser Gewissen und erniedrigt uns. Präsident Kimball hat einmal gesagt: „Wenn Unverheiratete der Begierde nachgeben . . . , haben sie dem Körper die Herrschaft eingeräumt und den Geist in Ketten gelegt. Es ist undenkbar, daß man dies Liebe nennen könnte(Faith Precedes the Miracle, S. 154.).” In den Jahren als Berater habe ich erfahren, daß das wahr ist. Wenn man sich auf voreheliche Geschlechtsbeziehungen einläßt, so macht man den anderen zum Objekt der eigenen egoistischen Triebe, anstatt in ihm einen Menschen von ewigem Wert zu sehen. Wenn wir dies tun, fangen wir an, Menschen wie Gegenstände zu benutzen und untergraben dabei unsere Fähigkeit, zu anderen Menschen ein auf gegenseitiges Verstehen gegründetes Verhältnis zu haben.Oft bin ich gefragt worden: „Wenn sich zwei Menschen lieben und heiraten wollen, warum dürfen sie dann noch keinen sexuellen Verkehr haben?” Will man eine erfolgreiche Ehe aufbauen, so kostet das Zeit und Arbeit. Im Gegensatz dazu kostet das sexuelle Erlebnis wenig Zeit und Mühe. Wenn ein Paar Probleme lösen muß, die auf miteinander in Konflikt stehenden Ansichten beruhen, so ist es für das Paar, das sein Verhältnis auf Sinnesfreuden aufgebaut hat, leichter, sich in intime Beziehungen zu flüchten, als ihrem Problem und Differenzen ins Auge zu sehen. Folglich kann es sein, daß sie sich nie auf einer tiefgründigeren Ebene kennenlernen. Weiter neigen Leute, die sich auf die körperlichen Beziehungen konzentrieren, dazu, die Wichtigkeit dieses Eheaspektes überzubetonen. Der körperliche Aspekt ist nur einer unter vielen wichtigen Aspekten, die zu einer Ehe gehören. Bleibt das Interesse an einem Aspekt hängen, so können andere übersehen oder vernachlässigt werden, was es schwer macht, ein ewiges Verhältnis aufzubauen. Eine weitere Gefahr von vorehelichen sexuellen Beziehungen liegt darin, daß sie eine Reihe von Punkten auftun können, die der Ehe hinderlich sind. Schuld ist ein Hauptpunkt. Ein Mensch kann nicht immer voraussagen, wie er sich hinterher fühlt. Er oder sie wird wahrscheinlich etwas Selbstachtung verlieren und wird sich im Hinblick auf das Verhältnis weniger unbefangen fühlen. Und trotz des Gebrauchs von empfängnisverhütenden Mitteln schießt die Zahl der ungewollten Schwangerschaften schnell in die Höhe. Auch kann keiner den Tribut ermessen, der von dem Vater oder der Mutter gefordert wird, die es zulassen, daß ihr Kind durch eine Abtreibung vernichtet wird. Ein weiterer Bereich, aus dem Uneinigkeit erwachsen könnte, sind die Zweifel, die die Ehe vergiften können. „Liebt er oder sie mich nun um meiner selbst willen oder nur wegen des Lustgewinns?” Die Gründe dafür sind zutiefst geistiger wie auch psychologischer Art. Die Liebe ist ein Geschenk Gottes, und weil sie ein Geschenk oder eine Gabe Gottes ist, gehen weitere Gaben des Geistes mit ihr einher: Es sind Selbstlosigkeit und Opferbereitschaft für andere. Wenn wir diese Gefühle der Liebe auf falsche Weise zum Ausdruck bringen, entzieht uns der Heilige Geist seinen Einfluß, und Gefühle der Unsicherheit, der Ger'eiztheit und des Egoismus werden in uns wach, die das gute Verhältnis zum Vater im Himmel, zu anderen Menschen und zu uns selbst zerstören. Nichts kann eine Ehe schneller kaputtmachen als solch eine Atmosphäre, die in vorehelichen GeschlechtsbeziehungeQ ihren Ursprung hat. Ein Paar mag sagen: „Wir werden heiraten. Wir werden die einzigen sein, die je diese Beziehungen miteinander eingehen.” In ihrem Buch „Why Wait Till Marriage?” führt Evelyn M. Duvall Statistiken an, aus denen hervorgeht, daß bei Paaren, die sich auf voreheliche Beziehungen einlassen, mehr Verlobungen auseinandergehen als bei denjenigen, die sich enthalten haben, und daß das höchste eheliche Glück bei den Paaren zu finden war, die keusch in die Ehe gegangen sind(New York, Association Press 1965, S. 52, 53.). Die Ernüchterung und Angst, die mit einer zerbrochenen Verlobung einhergehen, können überwältigend sein und können noch an Intensität zunehmen, falls geschlechtliche Beziehungen aufgenommen worden sind. Der Herr hat ein derartiges Verhalten selbst für diejenigen untersagt, dieverlobt sind. Das Paar sollte sich fragen: „Was verlieren wir dadurch, daß wir warten?” Das Geschlechtliche ist kein grundlegendes Bedürfnis, das gestillt werden muß. Selbst ein Befürworter der freien Liebe sagt: „Ich glaube nicht, daß irgend jemand der Meinung ist, daß er sexuelle Beziehungen haben muß(„Sexual Behavior”, Juni 1971, S. 51.).” Viele Menschen führen auch ohne sexuelle Beziehungen ein produktives Leben. Wir werden nicht verrückt, wenn wir uns enthalten, doch wirkt sich die Verletzung unserer Werte oft negativ auf unser emotionelles Gleichgewicht aus. Umgekehrt motivieren uns oft psychologische Probleme, daß man gesellschaftlich nicht anerkannt wird, dazu, Zuflucht zu sexuellen Beziehungen zu nehmen. Viele Sozialwissenschaftler haben festgestellt, daß diejenigen, die ein gesellschaftliches Unzulänglichkeitsgefühl haben, häufiger zu vorehelichen Beziehungen neigen als die, die mehr Selbstachtung haben(„Sex and Interpersonal Ralationships” in: „The Individual, Sex and Society”, Baltimore, The Johns Hopkins Press, 1969, S. 119-127). Einige sagen, daß ihnen die Keuschheit schwerer falle als anderen. Aber machen Sie sich doch nichts vor! Wir alle haben zu kämpfen, um Selbstbeherrschung zu entwickeln. Einige erleichtern sich den Kampf dadurch, daß sie die Gebote befolgen, die Versuchung meiden und alles tun, was in ihrer Macht liegt, um ein enges Verhältnis mit dem Geist des Herrn zu wahren. Das heißt aber nicht, daß sie nicht starke Wünsche meistern müssen. Präsident McKay, der diese Wünsche gottgegeben genannt hat, hat betont: „Ihr befindet euch in der Zeit eures Lebens, in der eure körperliche Natur zum Vorschein kommt. Doch müßt ihr auch daran denken, daß Gott euch in derselben Zeit des Lebens die Fähigkeit, vernünftig zu urteilen, gegeben hat, und zwar für einen göttlichen Zweck. Laßt Vernunft und Einsicht euer Führer, euer Gegengewicht sein(Improvement Era, Februar 1959, S. 78.).” Einige stellen die Frage: „Aber einige, die verheiratet sind, haben mit Frigität, Impotenz oder anderen Problemen zu kämpfen. Wäre es ihnen nicht besser gegangen, wenn sie vor der Ehe zusammengelebt hätten?” Ehrlich gesagt, sind einige „Lösungen” schlimmer für den Menschen als die Probleme, die er zu vermeiden sucht. Ich habe viele Ehepaare beraten, die mit einem derartigen Eheproblem zu kämpfen hatten. Die meisten von ihnen waren trotz ihres Problems froh, daß sie die Ehe eingegangen waren. Als einige Ehepartner fachliche Hilfe ablehnten, ließ ich durchblicken, daß ihr Problem ein Mangel an Liebe und Hingabe sei — und nicht ein sexueller Hinderungsgrund. Es ist ein Fehler anzunehmen, daß sexuelle Unzulänglichkeit eine Hauptursache für Probleme in der Ehe sei. Wenn es unter Eheleuten Schwierigkeiten gibt, so hat dies vielmehr emotionelle und geistige Ursachen. Sexuelle Probleme sind bloß die Symptome. Eine rechtmäßige Verpflichtung dem andern und dem Herrn gegenüber bewirkt tatsächlich einen Unterschied. Gute zwischenmenschliche Beziehungen haben Vertrauen zur Grundlage. Vertrauen wiederum beruht auf Verpflichtungen. Wir nehmen nur dann über eine längere Zeitspanne hinweg an Liebe füreinander zu, wenn wir uns dazu entschließen. Bevor wir uns zur Ehe entschließen, herrscht Unsicherheit, mag da jemand sagen, was er will. In der Ehe gelobt sich andererseits das Paar, daß es zusammenbleibt, was auch geschehen mag. Sie verlieren nichts dadurch, daß Sie warten, während Sie jedoch alles gewinnen. Wenn Sie Ihr Verhältnis durch Selbstbeherrschung bereichern, werden Sie die Ehe weitaus schöner, bedeutungsvoller und erfüllender finden. Ist nun alles verloren, wenn zwei junge Leute in einem Augenblick der Leidenschaft weniger würdig werden? Nein. Sie können Vergebung erlangen. C. S. Lewis erinnert uns: „Ich glaube nicht, daß alle, die falsche Bahnen einschlagen, umkommen. Aber ihre Rettung besteht darin, daß sie auf die rechte Bahn zurückgesetzt werden. Eine falsche Summe kann korrigiert werden; aber nur dadurch, daß man zurückgeht, bis man den Fehler findet, und dann von dem Punkt an neu beginnt; nie dadurch, daß man einfach so weitermacht(„The Great Divorce”, New York, Macmillan, 1973, S. 6.).” Die Buße ist ein Weg, der zurückführt. Präsident Kimball hat gesagt: „Manchmal lastet das Schuldbewußtsein auf dem bußfertigen Sünder so sehr, daß er, wenn er sich umschaut . . . , sich fragt: ,Kann der Herr mir das je vergeben?' . . . Wenn aber ein Mensch, der über seine Sünden zutiefst verzweifelt ist . . . , Gott in seiner Hilflosigkeit gläubig um Gnade anfleht, flüstert eine leise, feine, aber doch durchdringende Stimme seiner Seele zu: „Deine Sünden sind dirvergeben(Das Wunder der Vergebung, S. 378, 379.).”' Bruder Gilliland, Vater von vier Kindern, ist Gemeindepräsident der Universitätsgemeinde im Pfahl Boston, Massachusetts, und Institutsleiter des Cambridge-Instituts an der Harvard-Universität. Steve Gilliland, November 1976 01:16 - 29.08.2008 - Schreibe einen Kommentar
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