| Gesetz der Keuschheit |
Bitte, gebt nicht nach!Der folgende Artikel besteht aus Auszügen aus einem Brief, der an die jungen Leute in der Kirche gerichtet ist. Der Verfasser hat darum gebeten, ihn in den Zeitschriften der Kirche abzudrucken. Dieser junge Mann hat Glück gehabt. Er ist am Leben und darin begriffen, sein Leben in Ordnung zu bringen. Viele, die den gleichen Weg gehen, den er gegangen ist, haben dieses Glück nicht.
Ich muß zugeben, daß alles mit meiner negativen Einstellung angefangen hat. Als ich ungefähr zehn Jahre alt war, gelangte ich zu der Ansicht, die meisten Menschen in meiner Umgebung seien nicht so „gut”, wie sie selbst glaubten. Je älter ich wurde, desto stärker wurde meine Ernüchterung. Während andere junge Leute in unserer Gemeinde, auch meine Altersgenossen, gerne zur Kirche gingen und immer auf irgendeine Art erbaut wurden, entwickelten sich meine Freunde und ich zu einer Gruppe, die jeden Monat einen neuen Sonntagsschullehrer brauchte. Darauf waren wir sogar noch stolz. Den Mitgliedern gefiel unsere Einstellung ihnen und dem Leben gegenüber nicht, und manche gaben uns einfach auf. Andere hingegen taten das nicht. Wir hatten einen sehr geduldigen Bischof und ein paar gute Führer. Die meisten hielten wir jedoch für Heuchler, und wir nahmen das, was wir für ihre Schwächen hielten, als Entschuldigung für unsere eigenen Schwächen. Mit dreizehn, vierzehn Jahren brachten die Jungen und Mädchen aus unserer Gruppe ausgezeichnete schulische und sportliche Leistungen. Wir waren alle sehr beliebt, hatten viel Spaß und waren der Ansicht, daß wir die Kirche nicht brauchten. Wenn wir „gezwungen” wurden, uns für das Seminar einzuschreiben, schafften wir es meistens, wieder hinausgeworfen zu werden. Wir gaben dem Druck unserer Altersgenossen eigentlich nicht nach – wir machten diesen Druck selber. Wir gehörten zu den ersten unserer Altersgruppe, die mit dem Trinken anfingen. Wir waren die ersten, die Marihuana rauchten und mit anderen Drogen experimentierten. Wir sahen die Chance, ein bißchen Geld damit zu verdienen, und deshalb verführten wir andere zum Drogenkonsum, um mit dem Drogenhandel mehr Geld zu verdienen. Wir führten ein ausschweifendes, unsittliches Leben. Manche meiner Freunde leisteten Widerstand. Sie sagten, wir seien dumm und sie würden auf keinen Fall mitmachen. Aber als wir ein paar Jahre später die High School verließen, hatte nur einer seinen Widerstand nicht aufgegeben. Wir übten viel Druck auf ihn aus und spotteten über ihn, aber er blieb fest. Vor ihm habe ich mehr Achtung als vor jedem anderen Jungen meines Alters. Niemand ging die ganze Schulzeit über zu so vielen Partys wie wir. In der heiligen Schrift heißt es: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.” (Matthäus 7:16.) Ich kenne nicht alle Früchte unseres Verhaltens, und dafür bin ich dankbar. Viele kenne ich allerdings. Die meisten meiner Freunde, mit denen ich aufwuchs und von denen einige ausgezeichnete Schüler, Führer und Sportler waren, haben die Schule vorzeitig verlassen. Einer hat Selbstmord begangen. Die meisten sind vor Gericht gestellt worden, manche sind sogar für verschiedene Delikte ins Gefängnis gekommen. Ich kenne eine Menge Mädchen, die noch während der Schulzeit ein Kind bekommen oder eine Abtreibung gemacht haben. Andere wurden Prostituierte. Ich hörte auf, Drogen zu nehmen, als ich ernstlich krank wurde. Ein paarmal wäre ich fast gestorben, eigentlich sogar ziemlich häufig, wenn ich beispielsweise eine Überdosis Drogen genommen hatte oder wenn ich Auto fuhr, obwohl ich keinerlei Kontrolle über mein Reaktionsvermögen hatte. Eines Abends langweilte ich mich sehr, deshalb nahm ich alle Arten von Stimulanzien, die ich finden konnte, setzte mich hin und sah fern. Dabei sank mein Puls auf 20 Schläge in der Minute. Ich zwang mich, wach zu bleiben, weil ich irgendwie spürte, daß ich nicht wieder aufwachen würde, wenn ich jetzt einschlief. Um mein Leben wieder in den Griff zu bekommen, mußte ich meine Freunde verlassen. Anschließend versuchte ich, ihnen zu helfen, damit sie auch aufhörten. Ein paar meiner alten Freunde machten mit, aber den meisten war es mittlerweile völlig gleichgültig. Als ich aufgehört hatte, Drogen zu nehmen, fing ich an zu trinken. Ich kann ehrlich sagen, daß ich schon während meiner Schulzeit Alkoholiker war. Dann nahm ich mir vor, aufzuhören, aber ich schaffte es nicht, jedenfalls nicht aus eigener Kraft. Außerdem war ich mir selbst nicht mehr wichtig genug, um das zu tun, was ich, wie ich genau wußte, tun mußte. Dann schloß ich enge Freundschaft mit einem Mädchen, das in der Kirche aktiv war. Sie konnte nicht verstehen, was ich durchmachte, aber sie wußte, daß ich mich ehrlich bemühte, aus der Patsche herauszukommen, in die ich mich hineinmanövriert hatte. Es tat ihr weh, wenn ich wieder in meine alten Gewohnheiten verfiel. Ich hörte schließlich auf zu trinken, weil ich wußte, daß es ihr weh tat, und weil ich sie nicht anlügen konnte. In meinem geschwächten Zustand war es schwer, sittliche Grundsätze zu befolgen, deshalb vermied ich jeden Kontakt mit Mädchen, es sei denn, sie waren so gut wie meine Freundin in der Kirche. Seit vielen Jahren hatte ich nicht mehr gebetet, aber schließlich mußte ich einfach auf die Knie. Ich hatte Angst, weil ich mir meiner Schuld bewußt war. Dieses erste Gebet, verbunden mit dem Wunsch, mich zu ändern und umzukehren, war der große Wendepunkt in meinem Leben. Ich versuchte zu beten, aber ich konnte nicht. Ich begann zu weinen, zum erstenmal seit vielen Jahren, und mir war, als würde ich innerlich zerrissen. Immer noch auf den Knien fiel ich vornüber, und mein Körper begann, unkontrolliert zu zucken. Innerlich betete ich: „Bitte, hilf mir!” Ich wurde fast bewußtlos. Dann verging der körperliche Schmerz, und ich lag nur noch da und weinte. Ich mußte einen weiten Weg gehen, um mein Leben rein zu machen, aber ich wußte, daß der erste Schritt der schwerste ist. Ich verstand das Sühnopfer zwar nicht, aber der Frieden und der Trost, die mich einhüllten, ließen keinen Zweifel daran, daß es wirklich wahr war. Es gab aber noch viel mehr. Chemische Substanzen, mit denen man Gefühle überdeckt, führen dazu, daß man seelisch ein Krüppel wird, weil man nämlich aufhört, innerlich zu wachsen. Physisch und intellektuell erholte ich mich sehr gut. Ich begann auch, geistig Fortschritt zu machen. Aber seelisch war ich ein Wrack. Das Mädchen, das mir so lange so sehr geholfen hatte, verstand das nicht, und deshalb verlor ich sie, während ich versuchte, die Narben der Vergangenheit zu überwinden. Sie sah die äußeren Veränderungen und meinte, das sei das Schwierigste gewesen. Aber den schwersten Kampf focht ich in meinem Innern, meiner Seele aus. Mein Stolz war ein verbissener Gegner, und die schmerzlichen Erinnerungen stimmten mich manchmal depressiv. Ich habe immer noch einen weiten Weg vor mir und viel zu tun. Jetzt versuche ich, anderen zu helfen, die ähnliche Probleme haben. Es hat ein paar Jahre gedauert, bis ich so weit war, wie ich jetzt bin, und ich habe viel gefastet und gebetet. Wenn ich zurückdenke, schmerzen die Erinnerun gen noch immer. Ich weiß jetzt, daß wir aus unseren Erfahrungen lernen – aus unseren Erfolgen und Fehlern. Ich wünschte nur, ich hätte mehr lernen können, und zwar ohne die innere Last und die Narben, die meine Lernmethode mir gebracht hat. Ich habe nämlich hauptsächlich aus meinen Fehlern gelernt. Ich habe mir große Schmerzen zugefügt, und meine Seele schreit vor Kummer, wenn ich sehe, wie andere den gleichen Weg einschlagen. Ihr Jungen und Mädchen, denkt an euch und an eure Freunde! Ehe ihr der Versuchung nachgebt – und glaubt mir, Stolz und eine negative Einstellung sind eine Versuchung –, denkt an die Folgen, die euer Verhalten für andere und in den kommenden Jahren auch für euch selbst hat. Man kann immer umkehren und zurückkommen. Aber es ist viel besser, wenn man gar nicht erst anfängt. Bitte, bitte, gebt nicht nach! Ihr werdet es nie bereuen, wenn ihr rein bleibt, das Wort der Weisheit befolgt und rechtzeitig nach Hause kommt – alle Regeln haben ihren Grund. Ich weiß, was geschieht, wenn man sie nicht befolgt, wenn man sich sagt: „So etwas passiert mir doch nicht.” Meine Freunde und ich wissen, daß ein Mädchen sittlich noch so rein sein kann – wenn man es betrunken machen oder dazu bringen kann, daß es Drogen nimmt, gibt es schließlich doch nach. Der erste Schritt nach unten ist der leichteste, und der erste Schritt zurück ist der schwerste. Wenn ihr auf dem Weg nach unten seid, sind erst viele Leute da, die euch gerne helfen wollen, aber je weiter ihr nach unten kommt, desto einsamer seid ihr, wenn ihr euch auf den Weg zurück macht. Ich habe ein starkes Zeugnis davon erlangt, daß das Evangelium wahr ist. Meine Mitschwestern und -brüder sind auch heute noch nicht vollkommen, aber mir ist endlich klargeworden, daß das Evangelium durch ihre Unvollkommenheit nicht weniger wahr wird. Daran wird nur deutlich, daß auch sie Menschen sind. Ich kenne die Macht des Widersachers, ich weiß, daß es ihn wirklich gibt, aber ich kenne jetzt auch die Macht des Herrn und des Priestertums und weiß, daß es beides wirklich gibt. Ich weiß auch, daß bei uns mehr sind als bei ihm. Schämt euch nie eurer Unschuld! Ich bewundere und beneide Menschen, die ihre Unschuld noch besitzen. Wenn man seine Unschuld einmal verloren hat. ist sie unwiderbringlich dahin. Bitte, seid stark. Mehr Menschen, als ihr vielleicht jemals wissen werdet, verlassen sich auf euch – eure Freunde, eure Familie und eure ungeborenen Kinder. Enttäuscht sie nicht! August 1990 01:32 - 29.08.2008 - Schreibe einen Kommentar
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