| Gesetz der Keuschheit |
An der SpitzeWir waren 27 Leute. alle zwischen 18 und 19 Jahren alt, außer einem. der 21 war und den wir „Pop” nannten. Drei weitere waren anfangs bei unserer Luftwaffentruppe gewesen, hatten jedoch die zermürbende Grundausbildung der Royal Canadian Air Force nicht durchgestanden. Wir waren monatelang intensiv ausgebildet worden, um eine Gruppe von jungen Männern abzulösen, die kaum älter waren als wir und die hinter dem Maschinengewehr im Plexiglascockpit noch immer über Deutschland ihr Leben gaben.Es war Brauch, den Abschluß der Grundausbildung gebührend zu feiern. Jede Truppe war zuversichtlich, daß sie jede beliebige andere Truppe im körperlichen Wettkampf schlagen konnte. Die Abschlussfeier am Ende der Grundausbildung diente immer als Beweis der Rekruten, daß man niemandem unterlegen war. Unsere Truppe machte da keine Ausnahme. Jugendlicher Übermut drängte uns, die militärische Disziplin einen Abend lang abzuschütteln und lärmend zu demonstrieren, daß wir die Besten waren. Wir wollten an diesem Abend alles Vergnügen eines ganzen Lebens erleben. So setzten sich also alle 27 auf dem Rasen zusammen, um unsere Abschiedsparty zu besprechen. Ich fühlte mich sehr einsam, als ich mich dazusetzte, und empfand zum erstenmal, seit unsere Gruppe gebildet worden war, nicht den geringsten Wunsch dazuzugehören. Ich hörte zu, wie die anderen lachten und grinsten, als man beschloß, einen regelrechten Nachtklub auf die Beine zu stellen, und merkte, wie die Aufregung immer größer wurde, als man besprach, was wohl das unterhaltsamste Programm wäre. Jemand meinte, daß jeder seine besten Ideen beitragen müsste, und nachdem fünf oder sechs Burschen lautstark verkündet hatten, was sie sich vorstellten, sagte irgendwer: „Wir wollen mal hören, was Green zu sagen hat.” Green war der einzige Mormone in der Gruppe und hatte nicht das geringste Verlangen, irgend jemandem auch nur ein Wort zu sagen. Er hatte nur einen Wunsch: unbemerkt wegzugehen. Wie sagt man 26 jungen Männern, die nicht der Kirche angehören, daß man jeden Sonntag mit einem weiteren Mormonen aus einer anderen Fliegergruppe eine Gemeinde besucht? Wie soll man ihnen klarmachen, was einem ein Missionsheim bedeutet, wo man jeden Sonntag zum Essen eingeladen ist und wo man sich jeden Sonntagabend um das Klavier versammelt, um mit den Missionaren Lieder zu singen, bevor man mit der letzten Straßenbahn vor dem Zapfenstreich zurück zur Kaserne fährt? Wie konnte man 26 Nichtmitgliedern verständlich machen, wie kalt und trostlos diese Straßenbahnfahrt jedesmal war? Konnten sie verstehen, wie sehr man es verabscheute, eine Kaserne wieder zu betreten, wo oft schon das erste Wort, das man hörte, den Begriff „Liebe" verhöhnte? Als mir diese Fragen durch den Kopf schossen, mußte ich mir immer wieder sagen: „Sie verstehen das nicht. Es ist ihnen auch gleichgültig. Sie würden nur lachen und spotten. Ihre Vorstellung von dieser Abschiedsparty zeigt ja, was ihnen am Leben wichtig ist. Es hat gar keinen Sinn, mit ihnen zu reden.” Irgendwie mußte ich mir aber etwas einfallen lassen, damit ich mich aus der Klemme ziehen konnte und an der Party nicht teilnehmen mußte. Ich ärgerte mich über mich selbst, weil ich nun, wo ich so lange mit diesen Leuten zusammengearbeitet hatte, plötzlich einen Rückzieher machen sollte. Ich ärgerte mich auch über sie, weil sie mich in eine Situation gebracht hatten, der ich nicht gewachsen war. Sie würden mich als den Letzten abstempeln, den sie bei ihrer Party haben wollten, und ich hatte sie bereits als unfähig abgestempelt, eine Party zu organisieren, an der ich teilnehmen wollte. „Wir wollen mal hören, was Green zu sagen hat.” He, Green, du hast noch kein Wort gesagt. Was sollen wir auf der Party machen?" Green holte tief Luft, starrte mißmutig auf das Gras vor sich und schickte sich zum Rückzug an: „Nun, wenn ich zu einer Abschiedsparty ginge ... ich würde ein nettes Mädchen mitbringen,... das heißt, es dürfte kein Trinkgelage werden. kein Rauchen, kein Fluchen geben.” Er wagte nicht, irgend jemand anzusehen, und versuchte, sich auf die Attacke gefaßt zu machen, die nun kommen mußte. Und dann geschah es. Eine Minute lang war alles still. Man hätte eine Stecknadel ins Gras fallen hören können. Dann sagte einer auf der gegenüberliegenden Seite des Kreises:.,Also ... " Jetzt sollte es also losgehen. Jeder würde nun ihm der Reihe nach die Meinung sagen. woraufhin er sich still zurückziehen und seine weltlichen Kumpels ihrem Schicksal überlassen konnte. .,Also ...ich meine, ich würde auch gern ein nettes Mädchen bringen ... " Neben ihm sagte jemand: „Tja. wer würde das nicht ... ?“ Eine weitere Minute lang war wieder alles still, dann sagte plötzlich rechts von ihm jemand: „Ich schlage Green als Conferencier vor." Es gab keinen Gegenvorschlag. Eine Woche später brachten 27 Soldaten ihre hübsch gekleideten Freundinnen zu der Party. Es wurde weder getrunken noch geraucht, und es war auch kein Fluch zu hören. Man aß gut, hatte Spaß beim Tanzen, die Musik war erstklassig, und jeder würde sich gern an eine Abschiedsparty erinnern, die anders war. Ich erinnere mich noch - nicht ohne ein peinliches Gefühl — an meine Gedanken. als wir uns an jenem sonnigen Nachmittag auf dem Rasen zusammensetzten. Ohne es zu beabsichtigen, beeinflußte ich das Leben dieser 26 jungen Männer ein wenig. Ich hatte sie abgeschrieben. Großzügig und, tolerant, wie sie waren, stellten sie mich an die Spitze — und gerade diesen Platz nehmen auch sie in meiner Erinnerung ein. Hohn A. Grenn, Juni 1978 Zu viele Menschen denken an Freiheit im Geiste der Zügellosigkeit. Freiheit ist aber nicht das vermeintliche Recht, zu tun, was einem gefällt. Die Freiheit hört auf, wenn einer eine Handlung begeht, die einen anderen schädigt. Ich habe keinerlei Recht, mich so zu betragen, daß dadurch der Fortschritt meiner Mitmenschen gehindert wird. Ich bin zu keiner Tat berechtigt, die einem anderen die Freiheit nimmt. Joseph F. Smith 01:11 - 29.08.2008 - Schreibe einen Kommentar
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